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Flexible Studiengänge

22.03.2010 ·  Baden-Württemberg überarbeitet die Bachelor-Modelle und geht dabei neue Wege / Von Heike Schmoll

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BERLIN, im März

Unterschiedliche Studiengeschwindigkeiten in den konsekutiven Bachelor-Studiengängen und flexible Lösungen will Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) ermöglichen. Universitäten, Fachhochschulen, Duale Hochschulen (nur in Baden-Württemberg) und auch Kunst- und Musikhochschulen brauchten ganz unterschiedliche Studienmodelle. Während die Einführung der gestuften Studiengänge an den Fachhochschulen und Dualen Hochschulen ohne größere Schwierigkeiten vollzogen wurde, herrscht an den Universitäten große Unzufriedenheit.

Studierende und Hochschullehrer beklagen zu schmale Bachelor-Studiengänge, zu viele Module, zu häufige Prüfungen, zu starken Zeitdruck. Vor allem die Universitäten hätten wohl zu Anfang gemeint, die Einführung der konsekutiven Studiengänge werde leichter, wenn sie alle Bachelor-Studiengänge einheitlich für drei Jahre konzipierten. Der zweijährige Master schien den meisten ein nahezu unumstößliches Gesetz, zumal die Gesamtdauer des Studiums fünf Jahre nicht überschreiten sollte.

In einigen Fächern sieht Frankenberg durchaus die Möglichkeit, einen einjährigen Master anzubieten, zumeist sei ein vierjähriger Bachelor jedoch sinnvoll. Ein wissenschaftlich vertieftes Studium, das einen Überblick über die Gesamtheit des Fachs vermittle, zum akademischen Denken und zur Durchdringung der Fachsystematik befähige sei in vier Jahren eher zu erreichen als in drei. An den Kunst- und Musikhochschulen ist dieses Studienmodell schon verwirklicht. Dort gibt es einen vierjährigen Bachelor und einen zweijährigen Master, dazu einige Zwischenstufen etwa für Restauratoren mit spezifischen Abschlüssen und einer eigenen Studiendauer. Den Finanzministern gehe es um die realen Studienzeiten, nicht aber um die sklavische Einhaltung der Fünf-Jahres-Obergrenze, meint der Wissenschaftsminister. Es müsse allerdings darauf geachtet werden, dass die Kapazitäten der Universitäten erhalten blieben - gerade wenn geburtenstarke Jahrgänge an die Universitäten strömten.

Vor kurzem hat Frankenberg bei einem Kongress in Stuttgart, Studierende, Hochschullehrer und Hochschulleitungen zusammengebracht, um zehn Jahre nach Einführung der Bologna-Studiengänge Bilanz zu ziehen und über Verbesserungsmöglichkeiten zu diskutieren. Das Spannungsfeld zwischen Wissenschaftlichkeit und Berufsbezogenheit des Bachelor-Studiums habe sich als zentrale Frage erwiesen, auf die differenzierte Antworten gefunden werden müssten. Nur so könne das Land den Zielen einzelner Hochschulen gerecht werden. Vor allem für die Universitäten müsse geklärt werden, was eigentlich Berufstauglichkeit oder Arbeitsmarktqualifizierung heiße.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Land Studienmodelle individueller Geschwindigkeit ausgeschrieben, für die sich Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie Duale Hochschulen bewerben konnten. Für eine Anschubfinanzierung stellt das Ministerium für eine Laufzeit von drei Jahren insgesamt fünf Millionen aus dem Innovations- und Qualitätsfonds bereit. Die Förderung ist auf einen Zeitraum von bis zu drei Jahren angelegt und im Einzelfall auf einen Gesamtförderbetrag von 500 000 Euro begrenzt. Die Anträge mussten bis Ende Januar dieses Jahres abgegeben werden.

In Workshops soll gemeinsam mit den Hochschulen festgestellt werden, wo nachgebessert werden müsste. Alle großen Universitäten seien dabei, ihre Bachelor-Studiengänge zu überarbeiten. Die Universität Tübingen wird nach Frankenbergs Worten nahezu alle Bachelor-Studiengänge vierjährig konzipieren, Heidelberg und Freiburg arbeiten ebenfalls daran und Konstanz wird möglicherweise ein College-Jahr aufbauen, das die Breite des Einstiegs in bestimmte Fächer gewährleisten soll.

Konkret ist daran gedacht, ein naturwissenschaftliches und ein geisteswissenschaftliches College-Jahr anzubieten, das Abiturienten auch die Möglichkeit gibt, sich in der Vielfalt naturwissenschaftlicher oder geisteswissenschaftlicher Fächer zu orientieren und mögliche Mängel der verkürzten Schulbildung aufzuholen. Bisher allerdings war der Aufbau solcher College-Semester an der Bafög-Finanzierung gescheitert. Bei einer Bafög-Förderung sind nur zwei Fachwechsel erlaubt. Sowohl der Übergang vom College-Jahr zum Bachelor als auch vom Bachelor zum Master wurde jeweils als Fachwechsel gewertet. Frankenberg hat Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) gebeten, diese Regelungen dringend zu ändern. Schließlich handele es sich nicht um einen Fachwechsel, sondern um einen strukturbedingten Übergang innerhalb eines Studiengangs.

Möglicherweise sei das Modell einer fachübergreifenden Eingangsphase auch für die Fachhochschulen sinnvoll. Sie hätten unter der Heterogenität der Studenten mehr zu leiden als die Universitäten. Einige von ihnen böten schon lange Sommerschulen an, um Defizite - etwa bei den mathematischen Grundlagen zu überbrücken. Das gilt vor allem für Mathematik und Naturwissenschaften. Nicht alle Schulabsolventen seien über Schulmathematik hinausgelangt und wenig vorbereitet auf mathematisches Denken. Deshalb hätten die Fachhochschulen mit steigenden Abbrecherquoten zu kämpfen, sagte Frankenberg im Gespräch mit dieser Zeitung.

An die Hochschullehrer der Universitäten appellierte der Minister, spätestens bei der Überarbeitung der Bachelor-Studiengänge die Egoismen innerhalb der jeweiligen Fachsystematik zu überwinden und innerhalb der Fächer gemeinsam an sinnvollen Modulen zu arbeiten. Nur so lasse sich die Schmalheit einiger Module (Lehreinheiten) überwinden. An einigen Universitäten konnten sich Fachvertreter nicht einigen - häufig waren es Fächer, deren Studenten dann zu Recht auf die Straße gingen, um zu demonstrieren.

Der Minister regt auch an, nicht unbedingt sämtliche Prüfungen studienbegleitend zu planen. Vielleicht entspreche es eher akademischem Denken, eine Kombination aus Modulprüfungen und einer Abschlussprüfung einzuführen. Es müsse allen Studienwilligen klar sein, dass Studieren mit Anstrengung verbunden sei und die nötigen Freiräume dem Studium dienen müssten und nicht Freizeit im Arbeitnehmersinne. Es könne nicht sein, dass das Land - wie von den Studenten gewünscht - einen generellen Zugang zum Master öffne. Ein prüfungsloser Übergang vom Bachelor zum Master entspreche nicht der Logik der Bologna-Studiengänge. Das Ministerium müsse alles tun, einen "Master-light" zu verhindern, weil es auf diese Weise die Systematik der gesamten Bologna-Studienstruktur in Frage stelle.

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