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Die Verantwortung für das ganze Zeug

20.03.2009 ·  Barack Obama wollte in einer Late-Night-Show locker für seine Politik werben. Er war seine Botschaften schon los-geworden, als ihm der Fehler des Abends unterlief. Von Katja Gelinsky

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WASHINGTON, 20. März. Der harte, politische Teil war eigentlich schon geschafft. Obama hatte in der "Tonight Show" von Jay Leno die Bonuszahlungen an Mitarbeiter des Versicherers AIG gegeißelt, er hatte sich den Amerikanern als Anwalt der kleinen Leute empfohlen und versichert, dass seine Regierung auf gutem Wege sei, die Finanzmärkte zu stabilisieren und Amerika auf einen Pfad langfristigen wirtschaftlichen Wachstums zurückzuführen. "Die Zukunft wird für uns alle sehr hell aussehen", prophezeite Obama den Millionen amerikanischer Fernsehzuschauer, die er dank des prominenten Talkers Jay Leno erreichte.

Doch wenig später wurde der erste Auftritt eines amerikanischen Präsidenten in einer der beliebten Late-Night-Talkshows durch eine ausgewachsene Peinlichkeit überschattet. Gerade hatte es so ausgesehen, als könne der Präsident während des Rests der Sendung entspannt über sein persönliches Leben plaudern, da fragte Leno, ob die Bowlingbahn am Weißen Haus nun einem Spielfeld für Basketball weichen müsse. Nein, nein, er habe große Fortschritte beim Bowling gemacht, erwiderte der Präsident. "129 Punkte habe ich schon geschafft." Und dann rutschte ihm der Satz heraus: "Es ist wie bei den Special Olympics oder so."

Sofort beeilte sich ein Sprecher des Weißen Hauses zu versichern, der Präsident finde, dass die Olympischen Spiele für geistig behinderte Menschen eine wundervolle Veranstaltung seien. Er habe niemand beleidigen wollen. Noch auf dem Rückflug nach Washington rief Obama beim Präsidenten der Special Olympics an, um sich für seinen schlechten Scherz zu entschuldigen.

Mit dem Auftritt in der "Tonight Show" hatte Obama den Drahtseilakt gewagt, bei den Amerikanern in locker-spaßiger Atmosphäre für seine Wirtschaftspolitik zu werben. In Jay Leno hatte er dafür einen Gegenpart, der so erfreut über das Erscheinen seines Gastes war, dass er sich mit Provokationen ganz zurückhielt. Dabei hätte allein der Spagat, den Obama und seine Berater derzeit vollführen, indem sie einerseits auf gierige Manager schimpfen, andererseits die staatlichen Geldspritzen für AIG und andere Institutionen verteidigen, dazu reichlich Gelegenheit gegeben. Vor allem Finanzminister Tim Geithner hat eine harte Woche hinter sich. Er habe den Eindruck, als ob die Menschen nicht ganz verstünden, welche Herkulesaufgabe Geithner mit der Banken-, Auto- und Wirtschaftskrise zu bewältigen habe, sagte Obama. Leno warf ein: "Ich finde das herrlich, dass es alles sein (Geithners) Problem ist." Obama widersprach entschieden. Er sei der Präsident. "Letztlich liegt das ganze Zeug in meiner Verantwortung."

Der Auftritt bei Leno war Teil eines umfangreichen Werbefeldzuges, den Obama diese Woche in Kalifornien zur Durchsetzung seiner Agenda startete. Dabei geht es insbesondere um den Haushaltsentwurf, den Obama nutzen will, um Wahlversprechen wie die Unterstützung unterer Einkommensschichten, Klimaschutz und Gesundheitsreform einzulösen. Wie im Wahlkampf trat der Demokrat mit aufgekrempelten Hemdsärmeln in Gemeindesälen auf und versicherte den Menschen, er verstehe, wo sie der Schuh drücke. Zugleich distanzierte Obama sich von dem Politikbetrieb, dem er nun vorsteht. Die Leute in Washington, so der Präsident, vergäßen manchmal, dass es beim Haushalt letztlich nicht um Zahlen auf einem Blatt Papier oder eine Liste von Programmen gehe. "Es geht um Ihre Leben, Ihre Familien und Ihre Träume für die Zukunft", rief er der enthusiastischen Menge zu, die ihn in der hart von den vielerlei Krisen gebeutelten Stadt Costa Mesa empfing. Die Begeisterung war so groß, dass eine Frau unter Beifall des Publikums wissen wollte, ob Obama sich um eine zweite Amtszeit bewerben werde. Solche Fragen wird der Präsident am kommenden Dienstag, wenn er seine Medienkampagne in Washington mit der zweiten Pressekonferenz zur Hauptsendezeit fortsetzt, kaum erwarten können.

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