08.02.2009 · Zur Berichterstattung über den Krieg in Gaza und seine Folgen: Ist ein Volk verantwortlich für die Politik der Regierung, der es einmal durch demokratische Wahlen den Weg zur Macht geebnet hat? Muss sich ein Volk vor der Wahl über ...
Zur Berichterstattung über den Krieg in Gaza und seine Folgen: Ist ein Volk verantwortlich für die Politik der Regierung, der es einmal durch demokratische Wahlen den Weg zur Macht geebnet hat? Muss sich ein Volk vor der Wahl über das Programm der Partei, der es zur Macht verhelfen will, informieren? Und wenn es mehrheitlich hinter dem Programm steht, kann man dann erwarten, dass es für die Konsequenzen der von der Mehrheit gewollten Politik die Verantwortung übernimmt? Diese Fragen muss man angesichts der nahezu uneingeschränkten Opferrolle, die den Palästinensern nach dem Gaza-Krieg zugemessen wird, stellen.
Obwohl internationale Befürworter eines Dialogs mit der Hamas darauf verweisen, sie sei (trotz der gewaltsamen Ausschaltung der konkurrierenden Fatah) demokratisch legitimiert, wird dem palästinensischen Volk, das sie einmal gewählt hat und offenbar immer noch mehrheitlich hinter ihr steht, jede Verantwortung für den Krieg und die Verwüstungen abgesprochen. Standen (und stehen) die Menschen im Gazastreifen denn nicht mehrheitlich hinter der Charta der Hamas, in der es unter anderem heißt: "Die Steine und Bäume sagen: O Moslems, kommt und tötet den Juden, der sich hinter mir verbirgt"? Gab es in Gaza Demonstrationen gegen die Kassam-Raketen mit der Begründung, sie gefährdeten das Leben palästinensischer Zivilisten?
Jetzt liegt Gaza in Trümmern, und schon wird international überlegt, Anklagen gegen das israelische Militär wegen unverhältnismäßiger Kriegsführung im Gazastreifen zu erheben. Wo aber bleibt die Aufforderung an die Menschen in Gaza, ihre politische Einstellung zu überdenken und ideologisch abzurüsten? Und wo bleiben die internationalen Haftbefehle gegen die Führer der Hamas in Gaza (und im sicheren Damaskus), die durch den Beschuss israelischer Kindergärten das Leben ihrer eigenen Kinder aufs Spiel setzten?
Santa Bitter, Münster