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Die grünen Eminenzen von Kopenhagen

07.12.2009 ·  Alle Welt redet von Obama. In Kopenhagen werden allerdings zunächst andere das Wort führen. Ein "Who's who" des Klimagipfels.

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Er sei "eine Art Butler", hat Yvo de Boer einmal über sich gesagt, jemand, der im Hintergrund dafür sorge, dass die Dinge möglichst reibungslos liefen. Die eigene Rollenbeschreibung fiel etwas einseitig aus. Der Chef des Klimaschutzsekretariats der Vereinten Nationen ist Mahner, Antreiber und Moderater in den internationalen Klimaverhandlungen. Seit 2006 führt der sprachgewandte, 55 Jahre alte niederländische Diplomat die Konferenzregie. Etliche Vorbereitungstreffen hat er auf dem langen Weg nach Kopenhagen geleitet - vermittelnd, Brücken bauend, der Staatengemeinschaft ins Gewissen redend. "Wir müssen mehr schaffen, die Zeit ist gekommen", sagte er nun zum Konferenzauftakt. Nicht immer ist er in seinen Formulierungen so zurückhaltend. Anders als in seinem Bild vom Butler kann er auch schon mal die Contenance verlieren. Als die Klimaverhandlungen auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise ins Schlingern gerieten, geißelte er die "Blödheit, jetzt nur an Kurzfristiges zu denken". Erfolg und Misserfolg der Verhandlungen nimmt er sich ganz persönlich zu Herzen. Auf der Klimaschutzkonferenz auf Bali vor zwei Jahren brach er auf offener Bühne in Tränen aus, als ihm die chinesische Delegation mangelnde Unparteilichkeit vorwarf. Klimapolitik betreibt de Boer schon seit 1994. Als Beamter im niederländischen Umweltministerium war er an den Verhandlungen über das Kyoto-Protokoll beteiligt. Anschließend half er mit, die Reduktionspflichten zwischen den EU-Ländern zu verteilen. Als erfahrener Unterhändler war er vor Kopenhagen realistisch genug, die Erwartungen schon vor vielen Wochen zurückzuschrauben. Mehr als ein politisches Rahmenabkommen sei in der dänischen Hauptstadt nicht zu erreichen; weitere Konferenzen müssten 2010 folgen, um daraus ein international verbindliches Vertragswerk zu entwickeln. Die nüchterne Bestandsaufnahme hat ihm Kritik enttäuschter Umweltschützer eingebracht. Aber de Boer weiß, dass er die Tagesordnung auf die politisch wichtigsten Punkte vereinfachen muss, damit sich der Schwung des Klimagipfels nicht in einem Gestrüpp unterschiedlicher Einzelthemen verliert. Ob ein auf Strich und Komma ausformuliertes Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll dann einige Monate früher oder später zur Unterschrift vorliegt, ist aus seiner Sicht fast zweitrangig. (bü.)

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Dass das Amt den Mann macht, diese Lehre nationaler Politik gilt zuweilen auch für die internationale Politik. Als Rajendra Pachauri 2002 zum Vorsitzenden des Klimarates der Vereinten Nationen (IPCC) gewählt wurde, schimpfte nicht nur Al Gore öffentlich über die "industriefreundliche Besetzung". Vielen galt er als Mann George W. Bushs - und was dieser vom Klimaschutz hielt, war ja hinlänglich bekannt. Tatsächlich hat der Ingenieur und Volkswirt mit seinem ausgleichenden Naturell und seiner über Jahre erworbenen Fachkenntnis seine Organisation, das IPCC, das bis dahin ein Schattendasein im vielgliedrigen UN-System führte, international bekannt gemacht und ihr auch zu Weltruhm verholfen. 2007 wurde das IPCC deshalb mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet - ironischerweise gemeinsam mit Al Gore. Pachauri, der 1940 in einer indischen Kleinstadt in den Bergen des Himalaja geboren wurde, arbeitete zunächst als Maschinenbauer in einer Lokomotivfabrik in Indien, studierte anschließend in den Vereinigten Staaten und arbeitete dann am indischen Tata-Institut für Energieforschung. 1997 wurde er stellvertretender Vorsitzender des IPCC. Dessen Berichte sind die eigentliche Grundlage für ein Kyoto-Folgeabkommen. (sat.)

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Da auch Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao nach Kopenhagen reist, ist Pekings Chefunterhändler Xie Zhenhua eher für das Grobe zuständig. Er soll die wenig ambitionierten chinesischen Klimaziele gegen Kritik aus dem Ausland verteidigen. Vor seiner Abreise nach Dänemark, wo er von etwa 50 Delegierten begleitet wird, hatte er in Peking vor allem die Ernsthaftigkeit der chinesischen Pläne beteuert: "Die Chinesen halten sich an das, was sie sagen." Pekings Vertreter soll die Verhandlungspartner aus den Industrienationen außerdem zu weiteren Zugeständnissen drängen. China wünscht sich von den "reichen" Ländern mehr finanzielle und technologische Hilfe, um seine Wirtschaft klimafreundlicher machen zu können. Der 60 Jahre alte Xie Zhenhua ist Vizeminister der mächtigen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), die in China für die Wirtschafts- und Energieplanung zuständig ist und ihrer Bedeutung nach einem Ministerium entspricht. Zuvor war Xie von 1993 bis zum Jahr 2007 Leiter der nationalen Umweltbehörde (SEPA). Angesichts der verheerenden Umweltsituation in China ein schwieriger Job. Sein Rang entsprach schon damals dem eines Ministers, auch wenn die Behörde erst im vergangenen Jahr zu einem vollen Ministerium ausgebaut wurde. Die wichtige Umstrukturierung, durch die der Umweltschutz in China mehr Gewicht bekommen sollte, wurde allerdings ohne ihn vorangebracht. Xie hatte zuvor zurücktreten müssen, als nach einer Explosion in einem Chemiewerk 100 Tonnen krebserregendes Benzol den Songhua-Fluss verseuchten. Millionen Menschen in Nordostchina und den angrenzenden russischen Gebieten waren damals für einige Zeit von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Geboren wurde Xie Zhenhua in der Hafenstadt Tianjin, einem wichtigen Industriestandort in Nordchina, der nicht weit von Peking liegt. In der Hauptstadt hat Xie an der renommierten Qinghua-Universität sein Ingenieursstudium absolviert. Chinas oberster Klima-Funktionär ist seit knapp vierzig Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei. Den überwiegenden Teil seiner politischen Karriere war er in unterschiedlichen Gremien und Organisationen für Umwelt sowie Bauwesen zuständig. (fäh.)

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Bevor Premierminister Manmohan Singh zum Ende der Konferenz persönlich in Kopenhagen eintreffen wird, lässt sich Indien von einem Verhandlungsteam vertreten, das nicht sehr einig wirkt. Grund für den Streit ist die Absichtserklärung von Umweltminister Jairam Ramesh, die klimarelevanten Emissionen bis zum Jahr 2020 um 20 bis 25 Prozent unter das Niveau von 2005 zu bringen. Die Ankündigung, die als kleine Geste an den Westen gemeint war, säte so viel Zwist in der indischen Delegation, dass zwei wichtige Unterhändler zu Hause bleiben wollten. Erst am Sonntagabend gaben die früheren Spitzenbeamten Dasgupta und Ghosh bekannt, dass sie die nötigen Zusicherungen der Regierung erhalten hätten und nun doch nach Dänemark aufbrechen würden. Dasgupta und Gosh hatten unter anderem kritisiert, dass die Regierung für ihren Vorstoß keine Gegenleistung fordert. Beruhigt schienen sie, nachdem Umweltminister Ramesh ihnen versichert hatte, dass die Zielmarken "vollkommen freiwillig" zu verstehen seien. Angeblich ziehen die vier wichtigsten Unterhändler - dies sind neben Dasgupta und Gosh der Klima-Beauftragte Saran und der Umweltminister selbst - nun wieder an einem Strang.

Viel ist von Indien nicht zu erwarten. Jairam Ramesh bekräftigte am Wochenende noch einmal die "nicht verhandelbaren Punkte", darunter rechtlich bindende Grenzwerte und die Festlegung eines sogenannten Peak-Jahres. Selbst diese Minimalpositionen sind in Indien umstritten, wie Ramesh am Montag im Oberhaus erfahren musste. Von einem "Ausverkauf indischer Interessen" sprach Oppositionsführer Jaitley und verließ gemeinsam mit den meisten Oppositionsmitgliedern unter Protest den Saal. Dabei gilt Umweltminister Ramesh nicht gerade als sensibler Ökologe. Mehrmals schon erhob er sich über die "Weltuntergangsszenarien Al Gores und des IPCC". Vom Leiter des UN-Gremiums, dem Inder Pachauri, wurde ihm daraufhin "Arroganz" und "Schuljungenwissenschaft" vorgeworfen. Dies hielt den Umweltminister nicht von weiteren Provokationen ab. Unlängst bestritt er auf der Grundlage eines Regierungsberichts einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Gletscherschmelze im Himalaja. Und als er in der vergangenen Woche zum 25. Jahrestag des Giftgasunfalls von Bhopal an den Tatort reiste, nahm er eine Handvoll Erde auf, um in die Kameras zu scherzen: "Seht her, ich halte dies und bin immer noch am Leben!" (job.)

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Als Stavros Dimas Ende 2004 das Amt des EU-Umweltkommissars übernahm, wurde er in Brüssel keineswegs mit offenen Armen empfangen. Eingefleischten Umweltschützern war der damals 63 Jahre alte konservative Politiker aus Griechenland schon deshalb suspekt, weil er sich in seiner beruflichen Karriere niemals eingehender mit ihren Anliegen befasst zu haben schien. Aber auch politische Freunde wunderten sich ein wenig über die Benennung eines Politikers, der zwar als kluger Denker der Regierungspartei Nea Demokratia galt, aber zuletzt Anfang der neunziger Jahre ein Ministeramt in seiner Heimat bekleidet hatte. Umso größer war das Erstaunen darüber, wie rasch sich Dimas in das Brüsseler Umweltressort eingearbeitet hat. Galt er anfangs als regelrechter Aktenfresser, so wagte sich Dimas zunächst auch nur behutsam aus der Reserve heraus. Zunächst erregte er den Ärger bei Umweltschützern, als er die umstrittene Chemikalien-Richtlinie stärker an den Interessen ausrichtete. Wie hartnäckig der in der Öffentlichkeit jovial auftretende Kommissar sein kann, wurde zunächst bei den harten Auseinandersetzungen um die Begrenzung des Kohlendioxidausstoßes von Autos offenbar. Er war in Brüssel der Hauptwidersacher des deutschen Industriekommissars Günter Verheugen. Wenig später, beim Streit mit den EU-Regierungen über die Ausgestaltung der Regeln für das Emissionshandelssystem, zeigte er sich ebenso unerbittlich. Wenn Dimas von einer Sache überzeugt sei, dann sei er von seltener Konsequenz, heißt es in Brüssel seit längerem über ihn. Dass ihm in den vergangenen zwei Jahren Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Medien oft die Schau gestohlen hat, schien Dimas nicht weiter zu stören, solange auf diese Weise sein Hauptanliegen - der Kampf gegen den Klimawandel - im Gespräch blieb. In Kopenhagen wird Dimas als einer EU-Chefunterhändler nicht nur bei der täglichen Runde mit den Vertretern der 27 Mitgliedstaaten wieder mehr im Rampenlicht stehen. Er hofft dennoch, in der dänischen Hauptstadt etwas Zeit für seine Lieblingsbeschäftigung zu finden: in Antiquariaten nach Lesenswertem zu stöbern. (now.)

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Mit fast schon missionarischem Eifer kämpft das Energiebündel Connie Hedegaard, seit ihrer Nominierung zur dänischen EU-Kommissarin vor zwei Wochen bis zum Jahresende noch "Ministerin für die UN-Klimakonferenz", für "ihre" Konferenz. Seit zwei Jahren hat die jetzt 49 Jahre alte Politikerin als dänische Energie- und Klimaministerin die UN-Konferenz in Kopenhagen vorbereitet. Sie hat in vielen Blitzreisen in alle Teile der Welt, in zahllosen bilateralen Treffen und internationalen Konferenzen für "COP 15", die Klimakonferenz von Kopenhagen ist die 15. Vertragsstaatenkonferenz, geworben. Sie hat ausländische Politiker nach Grönland begleitet, um ihnen das Gletscherschmelzen als Beweis für die Klimaerwärmung vorzuführen. Und jetzt bemüht sie sich mehr denn je um Kompromissformeln, die es ihr als Präsidentin der Konferenz gestatten, einen Vertragsentwurf zu präsentieren, der am Ende konsensfähig sein sollte.

Sie hat zielstrebig einen Erwartungsdruck für ein umfassendes Abkommen zur Nachfolge des Kyoto-Protokolls aufgebaut: Jetzt oder nie - erstaunlich angesichts von viel weiter gehenden Forderungen von Umweltschützern und Klimawissenschaftlern und dem überaus zögerlichen Verhalten der weltweit größten Kohlendioxidverunreiniger, der Vereinigten Staaten und Chinas, die sich zu einer Reduzierung der Treibhausgase nicht verstehen wollten, ebenso wie auch vieler Staaten der Dritten Welt, die ihr industrielles Wachstum nicht beschnitten sehen wollen. Immer noch versucht sie, die ungenügenden und unvereinbaren Offerten vieler Seiten als "erste Positionierungen" bezeichnen. Sie versichert allerorten, alle wollten letztlich einen Erfolg der Konferenz, warnt, eine Verschiebung wichtiger Fragen aufs nächste Jahr bringe Lösungen nicht näher. Aber ihr ist anzumerken, dass sie gerade von den Vereinigten Staaten, deren Wandel in der Klimafrage sie lange als hoffnungsvoll gepriesen hatte, enttäuscht ist. Die im Lande überaus populäre Politikerin der Konservativen, die früher eher durch ihre Geradlinigkeit und feurige Unduldsamkeit bekannt war und Konfrontationen nie scheute, muss jetzt ihre Kunst, Kompromissfäden zu spinnen, beweisen. Eigentlich könnte der Kopenhagen-Gipfel als Witz erscheinen. Denn noch vor wenigen Jahren hatte Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen, jetzt Nato-Generalsekretär, das ganze Klimagerede für unbewiesenen Humbug erklärt. Die Exportaussichten dänischer Umweltprodukte und das Streben nach Energieunabhängigkeit von den Arabern und Russlands ließen ihn indes neu nachdenken. (Th.)

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Jonathan Pershing, der Chefunterhändler Washingtons in Kopenhagen, ist seit Jahrzehnten im Klima- und Umweltschutz engagiert. Angefangen hat er einst auf der anderen Seite des Zaunes: in den Diensten der Ölindustrie. Anfang der achtziger Jahre suchte der Geophysiker für den früheren amerikanischen Ölkonzern Arco nach Öl in Alaska. Womöglich bewog ihn diese Tätigkeit zu seinem späteren Engagement, bewahrte ihn aber auch vor allzu verbreiteten industriefeindlichen Reflexen. Pershing lehrte an den Universitäten in Minneapolis und Washington und arbeitete dann für die Clinton-Administration in der Umweltpolitik. Als 1997 das Kyoto-Abkommen ausgehandelt wurde, war Pershing stellvertretender Unterhändler der Regierung in Washington. Später wechselte er als Abteilungsleiter für Umweltpolitik zur internationalen Energiebehörde nach Paris. Auch in den Jahren unter George W. Bush, in denen auch Klimaschützer Unterschlupf an den linksliberalen Thinktanks der Ost- und Westküste finden mussten und auf den Meinungsseiten der nationalen Presse ihren Kummer verbreiteten, ließ Pershing nicht locker. 2005 war er Berater in den Verhandlungen über ein inneramerikanisches Emissionshandelssystems und stand in engem Kontakt mit dem umweltbewussten republikanischen Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger. Schließlich wirkte Pershing mit am Aufbau des Chicago Climate Exchange, der amerikanischen Emissionshandelsbörse. Das späte Einlenken des amerikanischen Präsidenten Obama, der nun doch zur Schlussphase der Verhandlungen nach Kopenhagen kommen wird, dürfte auch seinem Einfluss geschuldet sein. (sat.)

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Als Lord Nicholas Stern vor wenigen Wochen zum Ehrendoktor der Technischen Universität Berlin ernannt wurde und seine Klimavorlesung über "Die Ökonomie des Klimawandels" zum Besten gab - dem Titel jenes "Stern-Reports" mit dem er drei Jahre davor schlagartig weltberühmt wurde -, da gab es im Audimax keinen freien Quadratmeter mehr. Selbst vor der Leinwand im Nebenraum war alles dicht gedrängt. Anderthalb tausend junge Leute wollten den Wirtschaftsprofessor aus England sehen, der nach Meinung vor allem der Politiker die Welt wach gerüttelt hatte - ein Vierteljahr vor der Veröffentlichung des vierten Weltklimaberichtes. Stern war seinerzeit längst nicht der Erste, der die ökonomischen Bedingungen der Klimapolitik abzuschätzen und einzuordnen versuchte. Seine Befunde waren nicht grundsätzlich neu. Und so war es auch nicht die rein wissenschaftliche Leistung in dem sorgfältig zusammengetragenen Klimabericht, als die Fähigkeit Sterns, die kritischen Fragen und extrem komplexen Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen, die ihn weit über die Fachwelt hinaus bekannt machten. Seine Aufrufe zum Klimaschutz wirken nie appellativ, eher nüchtern und deshalb für viele besonders glaubwürdig. Stern, geboren 1946, war nie ein "Graswurzel-Öko", eher wurde er zum grünen Kosmopoliten. Er studierte in Cambridge Mathematik und in Oxford Ökonomie. Die meiste Zeit war er als Akademiker tätig, schrieb Bücher und lehrte in England, den Vereinigten Staaten, Paris und Indien. 2000 kam er nach Jahren bei der europäischen Entwicklungsbank als Chefökonom zur Weltbank. Der Klimawandel war da schon eines seiner großen Wirtschaftsthemen. Vor fünf Jahren wurde er für seine "Dienste für die Ökonomie" zum Lord Stern of Brentford erhoben. Danach wurde er in den Stab der britischen Regierung berufen, drei Jahre lang, bis 2007 als offizieller Klimaberater. Seit zweieinhalb Jahren ist er wieder an der London School of Economics and Government tätig, doch sein Einfluss auf die offizielle britische Umweltpolitik ist weiter ebenso unbestritten wie seine Wirkung in vielen anderen Ländern. (jom.)

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Von Hans Joachim Schellnhuber heißt es immer noch gerne, er sei der Klimaberater der Bundeskanzlerin. Das war einmal. Für die Beratungen zum G-8-Gipfel in Heiligendamm und während der EU-Ratspräsidentschaft im vergangenen Jahr hatte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung tatsächlich den kürzesten Draht zur Kanzlerin. Und er sagt auch heute noch voller Hochachtung, dass sie "im Großen und Ganzen ihrer Linie treu" und allenfalls "temporär opportunistisch" in klimapolitischen Fragen sei - etwa wenn es um großzügige Vergaben von Emissionszertifikaten an bestimmte Industriezweige geht. Inzwischen ist er nicht mehr Kanzlerberater, allenfalls Regierungsberater, nämlich in seiner Funktion als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Was ihn allerdings keineswegs einschränkt. Im Gegenteil: Schellnhuber wird als Mitglied der deutschen Delegation noch nach Kopenhagen reisen, und er wird die Zeit bis dahin wie schon in den vergangenen Wochen an vielen Orten als telegener, wenn auch als inoffizieller Sprecher der etablierten Klimaforschung für eine ambitionierte Klimapolitik auftreten. Seine Kunst ist es überhaupt, die Inhalte mit Zahlen zu füllen und Politik mit Szenarien zu verknüpfen. Geboren 1950 in Ortenburg bei Passau, hat er sich nach seinem Mathematik- und Physikstudium vor allem mit Theoretischer Physik beschäftigt - an der Universität Regensburg, der University of California und in Oldenburg. An letzterer Hochschule war er Anfang der neunziger Jahre erstmals professionell mit Umweltfragen befasst, als Direktor des Interdisziplinären Instituts für Küstenumweltforschung. Kurz danach schon wurde er Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts, baute das Institut mit heute mehr als 200 Mitarbeitern zu einem der international meistbeachteten Klimaforschungsstätten auf und leitete - nicht etwa nur formal - acht Jahre lang das Tyndall Centre für Klimwandelforschung an der University of East Anglia in Norwich. Er ist das Energiebündel der Klimaforschung. (jom.)

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