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Der Starke

31.08.2009 ·  Als Stanislaw Tillich am Montagmorgen von Dresden nach Berlin zur Sitzung des CDU-Präsidiums fuhr, hatte er sich vorgenommen, dort nicht in der Pose eines Siegers aufzutreten. Das gebietet ihm die Solidarität mit den Ministerpräsidenten ...

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Als Stanislaw Tillich am Montagmorgen von Dresden nach Berlin zur Sitzung des CDU-Präsidiums fuhr, hatte er sich vorgenommen, dort nicht in der Pose eines Siegers aufzutreten. Das gebietet ihm die Solidarität mit den Ministerpräsidenten aus Thüringen und dem Saarland, die ja kräftig verloren haben und mit ihnen die Union. Seine Freude, die CDU in Sachsen über 40 Prozent gehalten zu haben, war ihm aber schon anzusehen. Tillich ist zu einem Vorzeigeministerpräsidenten der Union aufgestiegen. Der Wahlerfolg vom Sonntag, der vor allem in dem großen Abstand von mindestens zwanzig Prozent zu den anderen Parteien liegt, hat vor allem für ihn persönlich Bedeutung. Fortan ist er nicht mehr Ministerpräsident von Milbradts oder Biedenkopfs Gnaden, die ihn für das erste Amt im Land ausgewählt haben. Das verleiht ihm neue Stärke.

Das wird man in Dresden bald zu spüren bekommen, etwa bei den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen, aber auch in der Partei bei der Zusammensetzung des Kabinetts. Da will er sich nicht hineinreden lassen. "Der Ministerpräsident beruft die Minister." Dabei pocht Tillich nicht auf Machtansprüche. Er nimmt sie einfach wahr und setzt sie durch, verborgen hinter einem freundlichen Lächeln. Im zurückliegenden Wahlkampf zum Beispiel hat er sich die politischen Gegner an sich abarbeiten lassen. "Warum soll ich den Mitbewerbern Futter hinwerfen", sagt er rückblickend, "schließlich sind sie doch die Herausforderer." Nicht mal eine öffentliche Fernsehdiskussion der Spitzenkandidaten hat er zugelassen. So ist er gut durch den Wahlkampf gekommen. So wird er auch künftig seine Position durchsetzen.

Das ist daheim in Dresden schon eine eingespielte Sache. Man kennt sich eben. Im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin wird man sich noch an Stanislaw Tillich gewöhnen müssen. Tillich lässt sich nicht nur vorzeigen, er stellt Ansprüche. Sehr konkrete Vorstellungen hat er von der CDU als Partei der sozialen Marktwirtschaft. Obwohl er aus dem Osten kommt, hält er von einer Sozialdemokratisierung der Union nichts. Dabei wird er auch auf Widerstände stoßen, aber der Wahlkampf hat ihn gelehrt, unauffällig weiterzuziehen.

Tillichs politische Wurzeln liegen in der DDR. Dort ist der heute Fünfzigjährige in die Ost-CDU eingetreten. Dort wurde er 1989 Mitglied des Rates des Kreises Kamenz und ganz schnell 1990 Mitglied der frei gewählten Volkskammer der DDR. Versuche, ihm aus dieser Etappe einen Strick zu drehen, sind, so zeigt das Wahlergebnis, gründlich fehlgeschlagen. Der SPD-Abgeordnete Nolle, der das betrieben hat, ist gerade noch durch ein Ausgleichsmandat ins Landesparlament gerutscht.

1991 wurde Tillich als Beobachter ins Europäische Parlament geschickt, 1994 wurde er dort Abgeordneter. Seit zehn Jahren gehört er schon dem Landeskabinett an, zuerst als Europaminister, dann als Chef der Staatskanzlei sowie als Umwelt- und Finanzminister. Er ist diesen Weg stetig und geräuschlos gegangen und ist jetzt auf einem Höhepunkt angelangt. peter schilder

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