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"Der Kongress soll ermitteln"

08.11.2009 ·  Senator fordert Untersuchung der Bluttat von Fort Hood

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rüb. WASHINGTON, 8. November. Drei Tage nach dem Amoklauf auf einem amerikanischen Militärstützpunkt hat der unabhängige, den Demokraten nahestehende Senator Joseph Lieberman eine Kongressuntersuchung des "schlimmsten Terroranschlags" seit dem 11. September 2001 gefordert. Der Täter von Fort Hood trage die Züge eines Terroristen, der sich in den Vereinigten Staaten radikalisiert habe, sagte der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz am Sonntag dem Fernsehsender Fox News. Es sei allerdings noch zu früh, zu endgültigen Schlüssen zu kommen.

Die zivilen und militärischen Ermittler rätselten am Sonntag weiter über die Beweggründe des Täters. "Wir haben bislang noch kein Motiv für die Bluttat ermitteln können", sagte der Sprecher der Ermittlungseinheit des amerikanischen Heeres für Kriminalfälle, Chris Grey. Derweil wurde der Todesschütze, der 39 Jahre alte Heeresmajor Nidal Malik Hasan, in ein Militärkrankenhaus in San Antonio etwa 250 Kilometer südlich vom Tatort verlegt, wo er weiter behandelt und von Militärpolizisten bewacht wird. Hasan musste seit Samstag nicht mehr künstlich beatmet werden, blieb aber auf der Intensivstation und konnte noch nicht vernommen werden.

Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama sowie Verteidigungsminister Robert Gates werden am Dienstag auf dem Heeresstützpunkt Fort Hood etwa 100 Kilometer nördlich der texanischen Hauptstadt Austin an einer Trauerfeier für die 13 Toten teilnehmen. Der Präsident wird seine seit langem geplante Asien-Reise deshalb einen Tag später antreten. In seiner Rundfunkansprache vom Samstag lobte Obama den mutigen Einsatz gegen den Täter, vor allem die Reaktion der 34 Jahre alten Polizistin Kimberley Munley. Die Beamtin traf drei Minuten nach dem ersten Notruf am Tatort ein, wurde bei einem Schusswechsel mit dem Täter von drei Kugeln getroffen, konnte Hasan aber offenbar mit vier Schüssen niederstrecken. Nach mehreren Operationen befindet sich die Polizistin in stabilem Zustand.

Bei aller Tragik des Geschehens hätten Zivilisten und Soldaten, die Verwundete in Sicherheit brachten und notdürftig versorgten, auch "das Beste von Amerika" gezeigt, sagte Obama in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Mit Blick auf den muslimischen Glauben Hasans warnte Obama vor voreiligen Schlüssen über das Motiv des Täters. Zugleich pries der Präsident die Streitkräfte als Spiegelbild der pluralistischen amerikanischen Gesellschaft: "Dort dienen Christen und Muslime, Juden, Hindus und Atheisten, Einwanderer oder Nachkommen von Einwanderern. Es verbindet sie ein einzigartiger Patriotismus."

Bei dem Amoklauf hat Hasan etwa 100 Schüsse abgegeben. Die Ermittler haben bisher keine Hinweise darauf gefunden, dass einige Opfer versehentlich von anderen Soldaten oder von der Polizistin getroffen worden sein könnten. Die allermeisten der gut 300 Frauen und Männer in dem Gebäude, in dem vor und nach dem Kriegseinsatz medizinische Untersuchungen vorgenommen sowie Formalitäten erledigt werden, waren unbewaffnet. Die Ermittler geben an, Hasan, der als Sohn palästinensischer Einwanderer im Bundesstaat Virginia geboren wurde und aufwuchs, habe offenbar allein gehandelt. Vor der Bluttat verschenkte Hasan seinen Hausstand an Nachbarn und Bekannte. Auf Aufnahmen von Überwachungskameras ist Hasan in traditioneller arabischer Kleidung zu sehen, wie er sich am Morgen der Tat an einer Tankstelle außerhalb des Stützpunktes einen Kaffee kauft. Die Ermittler durchsuchten noch am Tag der Tat die Wohnung Hasans, der außerhalb des Stützpunktes lebte. Dabei wurde unter anderem ein Computer sichergestellt. Nach Berichten in amerikanischen Medien konnte nach einer Untersuchung von Hasans Computer keine Verbindung zu islamistischen Extremisten festgestellt werden.

Eine Nachbarin berichtete, Hasan, der sonst sehr zurückgezogen gelebt habe, sei am Tag vor der Tat von einem Mann "arabischen Aussehens" besucht worden und habe mit diesem seine Wohnung verlassen. Der Kommandeur des Stützpunktes, Generalleutnant Bob Cone, berichtete, Hasan habe den muslimischen Glaubensruf "Allahu akbar" (Gott ist groß) gerufen, ehe er das Feuer eröffnet habe. Ermittler der Bundespolizei FBI wurden zudem schon ein halbes Jahr vor dem Amoklauf im Internet auf radikalislamische Texte unter dem Namen Hasan aufmerksam, in denen etwa Selbstmordanschläge verherrlicht wurden. Kameraden und Mitarbeiter des Amokläufers berichteten zudem, der ausgebildete Arzt und Militärpsychiater Hasan habe bei mehreren Anlässen die Kriege in Afghanistan und im Irak als gegen Muslime gerichtet verurteilt.

In der Berichterstattung über die Tat in amerikanischen Medien wird weithin auf den Umstand hingewiesen, dass Hasan nach Aussage von Verwandten wegen seines muslimischen Glaubens von Kameraden geschmäht worden sei. Zudem habe er sich vor dem Kriegseinsatz in Afghanistan, zu dem er Ende des Monats hätte aufbrechen sollen, gefürchtet und eine vorzeitige Entlassung aus dem Dienst beim Heer angestrebt.

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