01.09.2010 · Christian von Boetticher wurde 2005 Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein. Nun haben die vorgezogenen Neuwahlen alles beschleunigt: Am 18. September soll von Boetticher die Partei übernehmen. Damit dürfte er auch der nächste CDU-Spitzenkandidat sein.
Von Frank PergandeChristian von Boetticher ist ein Weihnachtskind. Er wurde am 24. Dezember 1970 in Halstenbek bei Hamburg geboren. Ist er auch ein Glückskind? Bislang ist seine politische Karriere nur einmal unterbrochen worden. Die Pause sollte sich aber als überaus nützliche Richtungsentscheidung erweisen. Von Boetticher war kaum Rechtsanwalt mit Kanzlei in Pinneberg geworden, da zog er 1999 als einer der jüngsten Abgeordneten in das Europäische Parlament ein. Als Kreisvorsitzender in Pinneberg spielte er schon damals eine Rolle in der CDU, allerdings eher am Rand. Man sah ihn überall, schon deshalb, weil er fast die zwei Meter erreicht. 2004 verpasste er knapp den Wiedereinzug in das Europaparlament und ging in seine Pinneberger Kanzlei zurück. Gerade wollte er der Politik den Rücken kehren und ins Ausland gehen, als ihn der CDU-Vorsitzende Peter Harry Carstensen anrief: Ob er nicht im „Kompetenzteam“ für die Landtagswahl 2005 mitmachen wolle.
Beide kannten sich damals kaum. Carstensen war nur zugeraunt worden, da wolle sich womöglich ein politisches Talent für immer verabschieden, und da müsse man etwas tun. Von Boetticher entschied sich für die Politik, begleitete tatkräftig Carstensens ersten Wahlkampf als Spitzenkandidat und wurde belohnt, nachdem, nach der gescheiterten Simonis-Wahl, endlich die große Koalition stand. Er wurde, wieder einmal als der Jüngste, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Bei der Berufung hatten seine Erfahrungen mit Fördergeldern aus Europa durchaus eine Rolle gespielt.
Als Kieler Ministerpräsident wäre er nicht der jüngste
Boettichers Versuch, zusammen mit jungen Parteifreunden aus anderen Bundesländern in der CDU auch bundespolitisch Einfluss zu gewinnen, versandete. Zumal Carstensen seinen jungen Mann nicht mehr missen mochte, der loyal in guten wie in schlechten Zeiten zu ihm stand. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, so sich überhaupt zwischen zwei Generationen von Freundschaft reden lässt. Christian von Boetticher sucht den Ausgleich, geht aber Konflikten auch nicht aus dem Weg - was auch der Koalitionspartner FDP schon gelernt hat.
Noch bevor klar war, dass es in Schleswig-Holstein ein Ende der großen Koalition und vorgezogene Neuwahlen geben würde, hatte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Johann Wadephul aus Kiel verabschiedet, um in den Bundestag einzuziehen. Damit war klar, dass von Boetticher sich nicht nur erstmals um ein Landtagsmandat bemühen, sondern auch den Fraktionsvorsitz übernehmen würde. Er wurde in der Fraktion freundlich aufgenommen. Nun wusste jeder: Dieser Mann soll einmal Carstensen nachfolgen. Dass er schon in diesem Jahr Parteivorsitzender werden würde, ging als Gerücht umher, wurde aber immer wieder dementiert. Nun hat das Urteil des Landesverfassungsgerichts über das Wahlgesetz alles beschleunigt: Am 18. September soll von Boetticher die Partei übernehmen. Damit dürfte er dann auch der nächste CDU-Spitzenkandidat bei der vorgezogenen Landtagswahl sein. Als Kieler Ministerpräsident wäre er freilich nicht der jüngste. Uwe Barschel war 38 Jahre alt, als er das Amt übernahm.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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