Home
http://www.faz.net/-1v1-13836
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

CDU: Vattenfall schadet der Kernkraft

12.07.2009 ·  Betreiber des Atomkraftwerks Krümmel unter Druck / RWE kritisiert Gabriel

Artikel Lesermeinungen (0)

ami. BERLIN, 12. Juli. Wegen des neuerlichen Störfalls am Kernkraftwerk Krümmel gerät der Betreiber der Anlage, der Energiekonzern Vattenfall, immer mehr unter Druck. SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier machte sich wie der Parteivorsitzende Müntefering die Forderung von Bundesumweltminister Gabriel (SPD) zu eigen, die Anlage endgültig abzuschalten und die von Vattenfall erwartete Neuaufnahme des Betriebs nach der Reparatur zu verweigern. Vertreter der Energiebranche kritisierten, dass die SPD mit der Atompolitik Wahlkampf betreibe. "Man merkt bei Gabriel, dass der Wahlkampf schon begonnen hat", sagte etwa der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE, Großmann, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Steinmeier sagte der "Welt am Sonntag", er begreife nicht, "warum die CDU Kernkraft zur Öko-Energie des 21. Jahrhunderts erklärt und sich derart zum Sprachrohr der Atomlobby macht". Müntefering warf der Union in der Zeitschrift "Der Spiegel" vor, sie verharmlose die Gefahren der Kernenergie und wolle den Atomkonsens aufkündigen.

Der unter der rot-grünen Bundesregierung mit der Industrie geschlossene "Atomkonsens" besagt, dass der letzte der noch aktiven 17 Meiler nach Verbrauch der zugewiesenen Reststrommengen voraussichtlich um das Jahr 2021 endgültig abgeschaltet wird. CDU und CSU halten dagegen längere Laufzeiten der Kernkraftwerke für notwendig, solange sie sicher betrieben werden. Die Union argumentiert, die Anlagen erzeugten Strom weitgehend ohne den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids. Die Panne in Krümmel lässt indes führende Unionspolitiker an der Zuverlässigkeit des Betreibers zweifeln. Hamburgs Bürgermeister Beust (CDU) sagte, die Probleme müssten rasch gelöst werden. Andernfalls solle die Betriebsgenehmigung für Krümmel entzogen oder ein anderer Betreiber gesucht werden. Der CSU-Vorsitzende Seehofer stellte die Frage: "Liegt es am Konzern oder an den Kraftwerken, die er betreibt?" Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger (CDU) sagte, der Umgang Vattenfalls mit dem Vorfall sei "nicht verantwortlich, nicht entschuldbar und schadet dem Ansehen der Kernkraft". Hessens Ministerpräsident Koch (CDU) ließ sich mit dem Satz zitieren, Betreiber, die sich verhielten wie Vattenfall in Krümmel, würden "unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft".

Der Konzern warb am Samstag am Kraftwerk mit einer Informationsveranstaltung für Anwohner um Vertrauen. "Der Spiegel" berichtet, dass kurz vor dem Anfahren des Reaktors zentimeterlange scharfe Metallspäne aus dem Reaktorsicherheitsbehälter geborgen worden seien. Die Späne seien bei Reparaturarbeiten entstanden. Der Bericht legt nahe, dass die Beschädigung an einem Brennstab daher rühren könnte.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel