01.02.2010 · "Pisa-Verbund" soll künftig Vergleichsstudien zur Leistungsfähigkeit des Bildungssystems koordinieren
oll. BERLIN, 1. Februar. Bund und Länder wollen 2,6 Millionen Euro im Jahr zusätzlich für Bildungsforschung und Bildungsmonitoring ausgeben. Darauf haben sich am Montag in Berlin das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie die Kultusministerkonferenz (KMK) verständigt. Die Länder werden damit insgesamt 1,8 Millionen Euro bereitstellen, der Bund 1,2. Unter Bildungsmonitoring ist die empirisch gestützte Gewinnung von Indikatoren für Bildungsqualität in Ländern und Schulformen zu verstehen. Dadurch soll Steuerungswissen für die Bildungspolitik entwickelt werden. Denn die Studien als solche liefern keine Handlungsanweisungen, sondern bieten im Idealfall die empirische und wissenschaftliche Grundlage, um politische Entscheidungen jenseits ideologischer Muster zu treffen. "Je genauer wir wissen, wo das Problem liegt und wie eine Maßnahme wirkt, umso besser werden die Wirkungen unserer Maßnahmen sein", sagte Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) in Berlin.
Während die Ländervergleiche in Pisa- und Iglu-Studien bisher von einem wechselnden Konsortium von Bildungsforschern geleitet wurden, sollen die nationalen und internationalen Vergleichsstudien nun unter dem Dach des Instituts für Qualitätsentwicklung in der Bildungsforschung (IQB) koordiniert werden. Das IQB hatte die KMK im Jahr 2004 als sogenanntes An-Institut an der Berliner Humboldt-Universität gegründet. Es hat die Aufgabe, die Bildungsstandards für die verschiedenen Schularten und -abschlüsse zu entwickeln, diese zu normieren und die Schulleistungen, die in den Bundesländern erbracht werden, zu vergleichen. Im Juni dieses Jahres wird das IQB den ersten Ländervergleich veröffentlichen. Dieser Test ersetzt die bisherigen Pisa-E oder Iglu-E-Studien.
Die nationale und die internationale Ebene sollen künftig besser aufeinander abgestimmt werden. Um eine Monopolisierung der Bildungsforschung an einem Standort (etwa an der Münchner TU, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt oder dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel) zu vermeiden, sollen drei Professoren (Prenzel, Klieme, Köller) an den genannten Standorten zusammenarbeiten und einen sogenannten Pisa-Verbund bilden. "Mit diesen Einrichtungen konnten drei exzellente Standorte mit herausragenden Wissenschaftlern gewonnen werden, die bereits in den bisherigen Pisa-Studien ihre hohe wissenschaftliche Qualität bewiesen haben", sagte der Präsident der KMK, der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).
Dem Pisa-Verbund werden das nationale Projektmanagement und die Erstellung der nationalen Berichte zunächst für die Pisa-Studien 2012 und 2015 sowie Forschung und Nachwuchsförderung im Bereich "Educational Measurement" (Vergleichbarkeit internationaler Leistungsstudien) übertragen. Die Gesamtverantwortung für das nationale Projektmanagement für Pisa wird bei der School of Education an der TU München unter der Leitung von Professor Prenzel liegen. Nach einer Evaluation der Arbeit im Jahr 2015 bestehe die Möglichkeit, diese Aufgaben längerfristig an den Pisa-Verbund zu übertragen, bekräftigten KMK und BMBF in Berlin. Die Länder wollen jährlich insgesamt 1,8 Millionen Euro in die internationale Säule investieren. Die nationale und die internationale Säule sollen ihre Arbeiten koordinieren und ein gemeinsames Forschungsprogramm verabreden.
Vereinbart wurde außerdem die Verstetigung der sogenannten Bildungsberichterstattung als Teil der Gemeinschaftsaufgabe nach Artikel 91 b Absatz 2 des Grundgesetzes, die ein Zusammenwirken von Bund und Ländern zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens im internationalen Vergleich ermöglicht. Für beide Vorhaben zusammen werden Bund und Länder gemeinsam insgesamt 4,8 Millionen Euro jährlich investieren. Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung wird zunächst die Bildungsberichte 2012, 2014 und 2016 erstellen und dabei wie bisher weitere namhafte Institute einbeziehen. Durch den Bericht "Bildung in Deutschland" wird die Öffentlichkeit alle zwei Jahre auf Grundlage abgesicherter Daten über Rahmenbedingungen, Ergebnisse und Erträge von Bildungsprozessen informiert.
Schließlich wird das BMBF Vorhaben der längerfristigen Qualitätsvergleiche, sogenannte Large Scale Assessments, mit einer Million Euro fördern. Die Mittel dafür werden in einem wettbewerblichen Verfahren (analog zur Deutschen Forschungsgemeinschaft) vergeben, das sich an üblichen wissenschaftlichen Standards orientiert und damit prinzipiell der gesamten in diesem Feld forschenden Wissenschaftsgemeinschaft (universitären und nichtuniversitären Einrichtungen) in Deutschland zur Verfügung steht.