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Bretzfeld Gegen Google

27.04.2010 ·  Früher war Hohenlohe die arme Kornkammer des Königreichs Württemberg. Heute ist die Region östlich von Heilbronn vor allem bekannt, weil dort "Weltmarktführer" produzieren. Der Schraubenproduzent Würth hat Wohlstand gebracht, ein ...

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Früher war Hohenlohe die arme Kornkammer des Königreichs Württemberg. Heute ist die Region östlich von Heilbronn vor allem bekannt, weil dort "Weltmarktführer" produzieren. Der Schraubenproduzent Würth hat Wohlstand gebracht, ein anderer Mittelständler stellt in Mulfingen Ventilatoren für die gesamte Welt her. Ein bisschen rebellisch sind die Hohenloher geblieben: Im 19. Jahrhundert konnten sie sich nur schwer mit den Direktiven der württembergischen Könige in Stuttgart anfreunden, jetzt begehren sie gegen eine neue imperiale Macht aus dem kalifornischen Mountain View auf: das Internetunternehmen Google.

16 Oberbürgermeister und Bürgermeister haben an Google einen gemeinsamen Protestbrief geschrieben; sie wollen das Filmen von Straßen und Privathäusern für "Goggle-Street-View" nicht länger hinnehmen. "Rechtlich haben wir nichts in der Hand, aber nicht alles, was juristisch machbar ist, ist moralisch legitim", sagt Thomas Föhl, Bürgermeister von Bretzfeld. Der Ort mit 12 000 Einwohnern, zwischen Öhringen und Heilbronn gelegen, nennt sich das "Tor von Hohenlohe". Föhl würde die Google-Autos mit den Spezialkameras am liebsten nicht mehr durch dieses Tor in das Hohenloher Land lassen. In dem Brief fordern die Kommunalpolitiker das Unternehmen auf, entweder die Filmarbeiten einzustellen oder nur diejenigen privaten Gebäude zu filmen, deren Besitzer darin eingewilligt haben.

Der Hohenlohekreis mit 110 000 Bürgern, dessen Landrat Helmut Jahn gerade Präsident des baden-württembergischen Landkreistages geworden ist, dürfte mit dieser Aktion der erste in Deutschland sein, der sich kollektiv gegen die Google-Schnüffelei wehrt. Die deutsche Google-Zentrale hat den Brief noch nicht beantwortet. Eine Rechtsgrundlage, um das Filmen von Privathäusern zu verhindern, gibt es tatsächlich nicht. Föhl hofft aber auf ein Rechtsgutachten, das den Datenschutzbeauftragten demnächst zugestellt werden soll. Um den unzufriedenen Bürgern zu helfen, haben die Bürgermeister in ihren Amtsblättern einen Musterbrief veröffentlicht, mit dem Bürger per Widerspruchsrecht dem Internetunternehmen die Filmarbeiten untersagen können. Google muss das jeweilige Haus dann schwärzen. (Siehe Kommentar, Seite 10.) RÜDIGER SOLDT

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