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Beirat schrumpft weiter

09.03.2010 ·  "Die Debatte über Vertreibung wird instrumentalisiert"

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pca. BERLIN, 9. März. Einen Tag nach der tschechischen Historikerin Kristina Kaiserová hat auch die deutsche Historikerin Helga Hirsch den wissenschaftlichen Beraterkreis der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" verlassen. Frau Hirsch, die sich als Wissenschaftlerin und Mittlerin um das deutsch-polnische Verhältnis verdient gemacht hat, erklärte in einem Schreiben an Kulturstaatsminister Neumann (CDU) den bisherigen Ansatz des Projektes unter der fachlichen Leitung des Stiftungsdirektors Kittel für gescheitert. Der wissenschaftliche Beirat könne bei allem Bemühen keine "souveräne und profilierte Exekutive" für die Stiftung ersetzen. Es gebe außerdem, so schreibt Frau Hirsch in dem Brief, der dieser Redaktion vorliegt, eine "starke parteipolitische Instrumentalisierung der Debatte" sowie eine Presse, die das Projekt durch "Diffamierungen und Unterstellungen" begleite.

Frau Hirsch riet zu einem Neuanfang, der freilich ohne ihre Beteiligung stattfinden müsse. Die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung", die auf Anregungen der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen zurückgeht, müsse den Beraterkreis erweitern und "politisch verbreitern". Bereits im Dezember hatte der polnische Historiker Tomasz Szarota das Gremium verlassen. Szarota hatte dazu mehrere Gründe angeführt, politische wie persönliche. Unter anderem hatte er auf einen als zynisch empfundenen Brief von CDU- und CSU-Abgeordneten des Europäischen Parlaments verwiesen, die von Außenminister Westerwelle (FDP) Auskünfte verlangt hatten "zu Erkenntnissen" über "persönliche Hintergründe und Lebensläufe" der polnischen Beiratsmitglieder. Szarota, dessen Vater im Krieg als Zivilist von Deutschen ermordet worden war, musste die Frage als einziges polnisches Mitglied der Stiftungsgremien auf sich beziehen, die lautete: "Liegen Erkenntnisse über Taten, Aktivitäten oder Äußerungen von polnischen Beiratsmitgliedern vor, die einer Berufung in den Beirat entgegenstehen könnten?" Trotz solch eigentlich unmissverständlicher Verdächtigungen sprach der Initiator des Schreibens, der EU-Abgeordnete Caspary (CDU), später von einem "Missverständnis". Sein Schreiben an Westerwelle habe "das Gegenteil von dem erreicht, was ich erreichen wollte", sagte er dieser Zeitung. Ihm sei sehr an der europäischen Dimension der Versöhnung gelegen. Nachdem Szarota den Beirat verlassen hatte, schrieb Caspary ihm einen Brief, in welchem er den Historiker um Entschuldigung bat. Sein Schreiben an Westerwelle sei unglücklich formuliert gewesen, falsch recherchiert und auf falschen Annahmen basierend, verfasst worden. Das tue ihm sehr leid.

Kulturstaatsminister Neumann (CDU) kündigte am Dienstag an, der Wissenschaftliche Beraterkreis solle "erweitert werden, um das wissenschaftliche Spektrum breit abzubilden. Gerade bei dem historischen Vorhaben der Stiftung ist eine profunde und international vernetzte wissenschaftliche Beratung unverzichtbar". In der Sitzung des Stiftungsrates am 22. März 2010 solle die bisherige Arbeit einer kritischen Bewertung unterzogen und entsprechende "Weichen für die Zukunft gestellt" werden.

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