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Arbeitspapier oder dicker Band?

23.02.2010 ·  Erika Steinbach und die Studie zur BdV-Vergangenheit

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BERLIN, 23. Februar. Als ein "Arbeitspapier" und eine "Vorlage", die unter keinem Aspekt "abschließend belastbar" sei, hat die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen eine Studie zur NS-Belastung von früheren Führungsfunktionären der Vertriebenen bezeichnet. Die teils verharmlosende "Machbarkeitsstudie" des Instituts für Zeitgeschichte sei, so Frau Steinbach, lediglich eine "Entscheidungshilfe" gewesen. Deshalb sei es "wenig sinnvoll und ergiebig", dieses "Arbeitspapier" einer Bewertung zu unterziehen. Sie selbst hatte die Studie zuletzt als "Spiegel-lastig" kritisiert und von "Fehlern" gesprochen, "die korrigiert werden müssen".

Allerdings hatte sich die BdV-Präsidentin vor wenigen Wochen noch anders zu der Schrift geäußert. Auf Fragen von "tagesschau.de" hatte sie im November nicht von einem "Arbeitspapier" gesprochen, sondern von einem "ersten dicken Band", den ihr das Institut für Zeitgeschichte übermittelt habe. Frau Steinbach hatte seinerzeit gesagt: "Es gibt also jetzt schon einen ersten dicken Band, der mich sehr freut, das muss ich schon sagen, und ich wünsche mir, dass jedes Medium in Deutschland sich so selbstkritisch mit sich selbst beschäftigt." Gemeint war damit vor allem "ein großes bekanntes Wochenmedium", von dem Frau Steinbach zuvor behauptet hatte: "Da waren die Chefredakteure hochrangige Nationalsozialisten." Für ihren Verband reklamierte Frau Steinbach im November hingegen folgenden Sachverhalt: "Aber eines müssen wir sagen, wir haben mehr Widerstandskämpfer bei uns im Verband, als dass wir Nationalsozialisten haben." Dieser Befund stimmt so jedenfalls nicht für die frühere BdV-Führung. Die "Machbarkeitsstudie" des Instituts für Zeitgeschichte hatte unter anderem bestätigt, dass von fünfzehn zu untersuchenden Funktionären der deutschen Ostvertriebenen vor 1945 neun der NSDAP angehört hatten, ein weiterer diente jahrelang in der "SS-Leibstandarte Adolf Hitler". Insgesamt soll etwa ein Drittel von zweihundert Personen der Vertriebenenführung aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern bestanden haben. Als Widerstandskämpfer aus der NS-Zeit in der Verbandsführung wird in der Studie einzig der sozialdemokratische Sudentendeutsche Wenzel Jaksch genannt.

Nicht einmal die umstrittene "Machbarkeitsstudie" behauptet indes, dass beim Bund der Vertriebenen "mehr Widerstandskämpfer als Nationalsozialisten" gewesen seien. Der Potsdamer Historiker und Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung, Martin Sabrow, bezweifelte ebenfalls die Richtigkeit dieser Steinbach-Einschätzung und sagte: "Das kann nicht stimmen." (pca.)

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