23.06.2009 · Heidelberger Bibliothek im Netz
Es ist ein Bibliothekskrimi, der gut ausgeht. Die Geschichte der Heidelberger Bibliotheca Palatina, einer der größten Büchereien des Mittelalters und der frühen Neuzeit, ist an bestandsbedrohenden Momenten reich. Der prekärste war jener, als die Sammlung auf Maultieren über die Alpen nach Rom verbracht wurde. Nach der Eroberung des reformierten Heidelberg durch den Feldherrn Tilly und die Katholische Liga 1622 wurden auf diese Weise mehr als dreitausendsechshundert Handschriften und siebentausend Drucke der Vatikansbibliothek zugeführt und dort als "Palatini" (Pfälzer Bücher) eingegliedert. Der Raub war zugleich eine Rettung, da die Bände den "Orléansschen Feuersturm" 1693 bei der Belagerung Heidelbergs wohl nicht überdauert hätten.
1816 konnten durch Verhandlungen mit Rom immerhin die deutschsprachigen Handschriften zurück nach Heidelberg gelangen, der Rest liegt bis heute im Vatikan. Besitzfragen werden in Zukunft eine geringere Rolle spielen, denn virtuell ist der Heidelberger Bestand ab sofort jedermann verfügbar: In drei Jahren wurden von der Universitätsbibliothek die achthundertachtundvierzig "Codices Palatini germanici" komplett digitalisiert und mit wissenschaftlichen Kommentaren versehen - unter http://palatina-digital.uni-hd.de. Insgesamt sind es mehr als zweihundertsiebzigtausend Seiten, die zum Teil auch für Laien gut zu lesen sind. wiel