18.03.2004 · De Hoop Scheffer: Die Gewalt muß aufhören / Albaner in Prishtina fordern Rückkehr der UÇK
tens. BELGRAD, 18. März. Nachdem bei dem größten Gewaltausbruch im Kosovo seit dem Ende des Luftkrieges der Nato gegen das Jugoslawien von Slobodan Milosevic am Mittwoch mehr als 20 Personen getötet wurden, hielten die Spannungen in der von den Vereinten Nationen verwalteten Provinz auch am Donnerstag an. Zur Unterstützung der internationalen Kosovo-Schutztruppe Kfor beorderte die Nato zunächst 400 Soldaten der Friedenstruppe Sfor aus Bosnien-Hercegovina in die Krisenregion. Ihr Generalsekretär De Hoop Scheffer forderte die Konfliktparteien zum Einstellen der Gewalt auf. Kfor und Nato unternähmen alles, um die Gewalt zu beenden, doch auch die ethnischen Gruppen trügen Verantwortung. "Ich appelliere an alle Seiten im Kosovo und auch in Belgrad, sich nicht gegenseitig die Schuld zuzuweisen. Die Gewalt muß aufhören", forderte Scheffer am Donnerstag in Prag.
In der Hauptstadt Prishtina und in der Stadt Peja (serbisch Pec) im Westen der Provinz forderten unterdessen mehrere tausend albanische Demonstranten eine Rückkehr der offiziell als aufgelöst geltenden "Befreiungsarmee Kosovo" (UÇK). Auch in Belgrad kam es zu Protesten. Am Donnerstag abend sollte in New York der UN-Sicherheitsrat über die Situation beraten. In der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica im Norden des Kosovos, wo die Unruhen am Mittwoch begonnen hatten, durchbrachen Albaner abermals eine Sperre der UN-Polizei und versuchten, in den serbisch dominierten Teil der Stadt einzudringen. Erst ein Einsatz der Kfor, die zum eigenen Schutz Schießbefehl erhalten hatte, beendete die Unruhen in der Stadt. Mehr als 60 Mitarbeiter der internationalen UN-Polizei und 17 Soldaten der Kfor seien in Einsätzen verwundet worden, wurde unter Berufung auf Informationen der UN-Verwaltung des Kosovos (Unmik) berichtet. Unter den verletzten Polizisten sei auch ein Deutscher, hieß es.
Noch immer gab es am Mittwoch keinen vollständigen Überblick darüber, wie viele Häuser und Kirchen der serbischen Minderheit bei den Ausschreitungen in Flammen aufgegangen sind. Der Belgrader Sender B-92 berichtete unter Berufung auf Kirchenkreise, daß 14 Gotteshäuser der serbischen orthodoxen Kirche im Kosovo bei den Unruhen zerstört worden seien. Der Ort Obilic in der Nähe von Prishtina sei von seinen serbischen Bewohnern komplett verlassen worden, ihre Häuser stünden in Flammen, berichtete derselbe Sender unter Berufung auf Augenzeugen.
Als Reaktion auf die Ereignisse im Kosovo war es am Mittwoch auch in zahlreichen serbischen Städten zu Demonstrationen gekommen, in Nis und Belgrad setzten Extremisten die Moscheen der Städte in Brand. Der serbische Regierungschef Kostunica sprach mit Blick auf die Verfolgung der Serben im Kosovo von einem "versuchten Pogrom" und rief zu friedlichen Protesten gegen den "albanischen Terror" auf. Er verurteilte jedoch auch alle Angriffe auf islamische und albanische Einrichtungen in Serbien. (Siehe Seite 3.)