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Musterhausküchen : Die Küche hat das Auto als Statussymbol abgelöst

Hans Strothoff, Inhaber von Musterhaus Küchen Bild: Claus Setzer / F.A.Z.

Küchen gelten wieder als Lebensmittelpunkt für Familie und Freunde - und sind manchem sogar wichtiger als ein schickes Auto in der Garage. So erklärt sich jedenfalls die Musterhausküchen-Gruppe, warum ihre Geschäfte boomen.

          Wer gut ist, darf sich nicht ausruhen. Der Unternehmer Hans Strothoff treibt seine MHK-Gruppe daher weiter an. Die Musterhausküchen-Fachgeschäfte als größter Teil der Gruppe haben gute Zahlen: Der Umsatz der Musterhausküchen-Gruppe ist im abgelaufenen Jahr um 5,38 Prozent auf 3,92 Milliarden Euro gestiegen. Selbst im Inland lag der Zuwachs bei fast 4 Prozent und damit deutlich über der gesamten Küchenbranche, die mehr oder weniger lediglich den Vorjahresumsatz wiederholte. Aber Strothoff zeigt sich nicht zufrieden: Die Marke von 4 Milliarden Euro hätte er schon gern überschritten mit seiner Gruppe.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Damit die angeschlossenen 2102 Handelspartner nicht nachlassen im Bemühen um Wachstum, hat der Unternehmer eine Qualitätsoffensive gestartet. „In seinem Umfeld soll jedes Musterhausküchen-Fachgeschäft Marktführer sein“, gibt er als Ziel vor. Und wer dafür Geld braucht, kann sich bei der von der Gruppe unabhängigen, aber Hans Strothoff gehörenden Cronbank einen Kredit besorgen, der über 10 Jahre mit 2,75 Prozent zu verzinsen ist. Für das Qualitätsprogramm habe die Bank 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Hauptzweige der privaten Cronbank sind Konsumentenkredite und die Immobilienfinanzierung.

          Durchschnittspreis für eine Einbauküche: 11.742 Euro

          Zum Wachstum von Musterhausküchen trägt auch eine erfolgreiche Gründerinitiative bei. Allein im vergangenen Jahr wurden 37 Unternehmensgründungen als Küchenfachgeschäft gefördert. Das Auslandsengagement soll vor allem in Frankreich ausgeweitet werden. Dort ist die MHK-Gruppe auf der Suche nach einer Handelskooperation, mit der man zusammenarbeitet oder die man übernehmen kann. In den Niederlanden hat man mit der Übernahme einer Einkaufsgruppe gute Erfahrungen gemacht.

          Die angesichts steigender Löhne und sinkender Arbeitslosigkeit gute Konsumkonjunktur im Inland soll ein Übriges dazu beitragen, dass MHK in diesem Jahr über die Marke von 4 Milliarden Euro Umsatz hinauskommt. Der Zuwachs der ersten Monate des laufenden Jahres rechtfertige die Erwartung. Der Ertrag werde weiter steigen, weil sich die deutlich zweistelligen Millionenerträge aus der Einkaufskooperation mit dem Möbelverbund VME erst in diesem Jahr voll auswirken. MHK und VME kommen zusammen auf einen Außenumsatz von mehr als 7 Milliarden Euro und sind damit für die Hersteller ein bedeutender Abnehmer.

          Die Musterhausküchen decken den gehobenen Küchenbedarf ab. Der durchschnittliche Preis für eine verkaufte Einbauküche ist im vergangenen Jahr um gut 2 Prozent auf 11.742 Euro gestiegen. Damit liegen die Musterhausküchen-Fachgeschäfte deutlich über dem Branchendurchschnitt von gut 8000 Euro je Küche. Die steigenden Preise für eine Küche werden vor allem durch höherwertige Elektrogeräte verursacht, sagt Strothoff.

          In der Bereitschaft, höhere Preise zu zahlen, komme auch die Tendenz zum Ausdruck, dass heute Küchen wieder als Lebensmittelpunkt für Familie und Freunde gesehen werden. Es gebe kaum Küchen ohne Fernsehapparat oder ohne Blick auf den Fernseher im Wohnzimmer. „Eine schöne Küche im Wohnbereich ist heute vielen Menschen wichtiger als ein Porsche in der Garage“, sagt Vorstandsmitglied Daniel Schmid.

          Sorge bereitet MHK die Zunahme des Online-Handels. Zwar seien davon vor allem freistehende Elektrogeräte betroffen und weniger die von Musterhausküchen verkauften Einbaugeräte. Aber auch bei Einbaugeräten erreiche der Anteil des Online-Handels schon gut 10 Prozent. MHK ist daher mit Nachdruck dabei, einen eigenen Internetshop aufzubauen, der im kommenden Jahr starten soll. Die Unternehmer sind fest davon überzeugt, dass man für den Einkauf einer Einbauküche ein Fachgeschäft braucht. Daher soll der Internetauftritt vor allem dazu dienen, die Nachfrage ins Geschäft zu locken. Aber man müsse den Fachhandel auch darauf vorbereiten, dass er künftig weniger Elektrogeräte verkaufen werde und eventuell über zahlungspflichtige Beratungsangebote einen Umsatzausgleich schaffen müsse.

          Neben dem Küchenfachhandel baut Strothoff mit der Interdomus Haustechnik eine parallele Kooperation für die Haustechnik (Sanitär, Heizung, Klima) auf. Es hätten sich bereits 400 Geschäfte angeschlossen. In diesem Jahr werde die Zahl von 500 überschritten. Dann wäre das Ziel, etwa 1000 Geschäfte zu vertreten, halb geschafft. Die Interdomus-Umsätze sind in den 4 Milliarden Euro der MHK-Gruppe ebenso wenig enthalten wie diejenigen der Cronbank oder des Softwarehauses Carat.

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