03.09.2004 · Florida bereitet sich mit einer gigantischen Evakuierungsaktion auf den Hurrikan "Frances" vor
F.A.Z. MIAMI, 3. September. Vor dem womöglich stärksten Hurrikan seit Jahrzehnten sind Einwohner und Touristen am Freitag in Florida geflohen: Auf den Highways an der Westküste des Bundesstaates bildeten sich kilometerlange Stauungen von Flüchtenden. "Frances", ein Orkan der dritten Kategorie, bewegte sich langsam auf die Atlantikküste der Vereinigten Staaten zu und sammelte weiter Kraft. Die Behörden riefen 2,5 Millionen Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen; es handelt sich um die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Floridas. Das Eintreffen von "Frances" wurde für Samstag abend erwartet. Wer sich nicht auf die Flucht begab, vernagelte die Fenster mit Spanplatten und versuchte hektisch, Lebensmittel und Trinkwasser zu kaufen. In den meisten bedrohten Bezirken blieben Schulen, öffentliche Gebäude und Banken geschlossen. Auch die Eisenbahn hat nach Angaben der Tageszeitung "Miami Herald" den Verkehr eingestellt. Viele Bankautomaten seien leer. Das "Kennedy Space Center" der Raumfahrtbehörde Nasa am Cape Canaveral sicherte die Unterkünfte für die Space-Shuttle und bleibt bis einschließlich Montag geschlossen.
Floridas Gouverneur Jeb Bush rief die Bewohner der bedrohten Gebiete eindringlich auf, die Warnungen ernst zu nehmen: "Das ist wirklich ein mörderischer Sturm." Der Bürgermeister des Bezirks Miami-Dade, Alex Penelas, warnte, wenn die Anwohner blieben, könne das schwere Folgen haben. Zwar sei nicht sicher, daß der zerstörerische Hurrikan die Region erreichen werde. Penelas sagte jedoch: "Vorsicht ist besser als Nachsicht." Vorsorglich wurde für Freitag die Schließung des internationalen Flughafens von Fort Lauderdale bei Miami angeordnet und der Hafenbetrieb in Port Everglades eingestellt. Schulen, Amtsgebäude und Restaurants in Südflorida blieben ebenfalls geschlossen.
Der Hurrikan passierte am Donnerstag den Südosten der Bahamas. Die größten Städte der Inselkette, Nassau und Freeport, rüsteten sich gegen den Sturm, dramatische Schäden blieben nach ersten Angaben aus. Das Auge des Wirbelsturms lag am Donnerstag abend (Ortszeit) nach Angaben des amerikanischen Hurrikan-Zentrums in Miami vor der Insel Cat Island rund 200 Kilometer östlich von Nassau, der Hauptstadt der Bahamas. Von dort zog der Sturm mit siebzehn Kilometern pro Stunde in west-nordwestliche Richtung weiter. Tote oder Verletzte gab es nach ersten Berichten auf den Inseln nicht. Auf den östlich der Bahamas gelegenen Turks- und Caicos-Inseln hatte der Wirbelsturm zuvor Schäden an Häusern verursacht und Bäume entwurzelt. Alle Kreuzfahrtschiffe in der Region waren rechtzeitig umgeleitet worden, wie die karibische Nachrichtenagentur CMC meldete.
Am Freitag wurde "Frances" von der vierten in die dritte Orkan-Kategorie zurückgestuft, nachdem die Windgeschwindigkeiten von 233 auf 193 Stundenkilometern zurückgegangen waren. Das könne allerdings eine übliche Schwankung bei derartigen Stürmen sein, erklärten Meteorologen. In Florida wurde mit einer Sturmflut und Wellen von vier Meter Höhe gerechnet. Evakuiert werden sollte unter anderem das Stadtgebiet von Miami Beach. Sowohl in Florida als auch im Staat Georgia wurde der Notstand ausgerufen.
Meteorologen sagten voraus, "Frances" könne Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde erreichen. Der Hurrikan wäre damit stärker als "Charley", bei dem vor drei Wochen in Florida 27 Personen ums Leben kamen und Schäden in Milliardenhöhe verursacht wurden. Mehrere britische Fluggesellschaften sagten wegen des Hurrikans Dutzende von Flügen nach Florida ab. Virgin Atlantic teilte mit, daß für Freitag, Samstag und Sonntag insgesamt 28 Flüge in den amerikanischen Sonnenstaat gestrichen wurden. Betroffen seien etwa 9000 Passagiere. British Airways und Thomas Cook Airlines sagten neun Flüge ab.