08.04.2008 · Zum Artikel "Rentenerhöhung wird wohl teurer als geplant" im Wirtschaftsteil der F.A.Z. vom 25. März: Unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die Haltung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gerechtfertigt, ...
Zum Artikel "Rentenerhöhung wird wohl teurer als geplant" im Wirtschaftsteil der F.A.Z. vom 25. März: Unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die Haltung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gerechtfertigt, unter sozialen Gesichtspunkten stellt sich die überfällige Rentenerhöhung anders dar. Eine Inflationsrate von deutlich über zwei Prozent pro Jahr, zeitweise 2,8 Prozent, senkt die Realeinkommen spürbar ab, besonders bei kleinen Einkommen, die zu nahezu hundert Prozent für das tägliche Leben erforderlich sind. Dies trifft eine Generation, die maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und an Deutschlands heutigen internationalen Wirtschaftserfolgen nicht unbedeutend beteiligt war. An der Überwindung der wirtschaftlichen Schwäche der vergangenen fünf Jahre war sie mit Rentenzurückhaltung und Lohnverzicht auch beteiligt und zahlt seit 2005 auch deutlich mehr Steuern auf Renten als früher. Von der Mehrwertsteuererhöhung, die voll durchschlägt, schon gar nicht zu reden.
Ebendiese Rentner nehmen auch zur Kenntnis, dass jetzt die Wirtschaft boomt, die Gewinne sich vervielfachen, die soziale Spreizung der Einkommen durch die extremen Gewinnbeteiligungen und Abfindungen in der Wirtschaft sich vergrößert. Die Steuereinnahmen sprudeln wie noch nie, zugleich werden viele Milliarden Euro von namhaften Banken in der amerikanischen Hypothekenkrise "versenkt", ohne Konsequenzen, ja, jetzt soll auch noch der deutsche Steuerzahler, also auch der Rentner, für dieses hochbezahlte Missmanagement einspringen. Zugleich werden enorme Steuerhinterziehungen aus der Liechtensteiner Affäre bekannt, die bestimmt nicht aus dem Bereich der zwanzig Millionen Rentner kommen.
Wie sollen selbst schlichte Gemüter alle diese Informationen friedlich verdauen? In anderen Ländern gäbe es möglicherweise Revolten, in Deutschland wird im nächsten Jahr gewählt. Der deutliche Linksruck in der Parteienlandschaft lässt heute schon ahnen, wie die staatstragenden Parteien 2009 ihre Wahlwunden lecken werden. Nach Brüssel und in den Rest der Welt werden Milliarden Euro aus der Staatskasse geleitet, unsere Bundeswehreinsätze kosten vom Balkan über das Mittelmeer, Afrika und Afghanistan ebenfalls Milliarden von Euro, aber für die Rentner blieben mit 0,46 Prozent Rentenerhöhung nur Brotkrumen übrig. Für viele Rentner ist dies gerade mal ein Kännchen Kaffee. Machen Sie das, verehrter Herr Gunkel, den Tausenden von Stammtischen und Rentner-Kaffeekränzchen in den deutschen Landen mal klar. Von den Problemen der Krankenversicherung wollen wir hier schon gar nicht reden.
Was wird der BDA beklagen, wenn die Bundespolitik eines Tages maßgeblich von der Linkspartei bestimmt würde? Dann ist das jetzt beklagte Rentenproblem nur ein sehr kleines Problemchen, nach dem sich der BDA zurücksehnen wird. Da das Leben, man mag es bedauern, wie auch immer, aus Kompromissen besteht, sollten der BDA und mit ihm die staatstragenden Parteien gründlich darüber nachdenken, was zwanzig Millionen Rentnerwählerstimmen wert sind.
Dr. Günter Götz, Rostock