06.10.2008 · Zum Artikel "Moorburg darf gebaut werden" (F.A.Z. vom 1. Oktober): "Aus ökologischen Gründen sind beim Betrieb des Kraftwerks aber erhebliche Einschränkungen nötig." Dieser Satz von Anja Hajduk mag zwar ihre grüne Basis beruhigen, ...
Zum Artikel "Moorburg darf gebaut werden" (F.A.Z. vom 1. Oktober): "Aus ökologischen Gründen sind beim Betrieb des Kraftwerks aber erhebliche Einschränkungen nötig." Dieser Satz von Anja Hajduk mag zwar ihre grüne Basis beruhigen, bei genauerem Hinsehen sind Frau Hajduks wasserrechtliche Einschränkungen zum Betrieb des Kraftwerks aber ein Schnitt ins eigene Fleisch: Der Zwang, ein Wärmekraftwerk über längere Zeit in Teillast zu betreiben, ist aus ökologischer Sicht Unsinn. Denn erst dadurch wird das Kraftwerk tatsächlich zum Klimakiller. Ohne Zweifel entstehen bei der Verstromung von Steinkohle erhebliche Mengen an Kohlendioxid. Das ist prozessbedingt und kann allenfalls verbessert, aber nicht vermieden werden.
Gerade diese Verbesserung aber wird durch die Auflage des Teillastbetriebs zunichtegemacht. Neue, moderne Kohlekraftwerke haben einen deutlich höheren Wirkungsgrad als ältere und verbrauchen somit wesentlich weniger Kohle pro erzeugte Strommenge. Ergo sinkt auch die spezifische Menge des emittierten Kohlendioxids. Diese technischen Verbesserung innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte sind erheblich und können durchaus in der Größenordnung von 20 bis 25 Prozent liegen. Wird aber ein Kraftwerk in Teillast betrieben - und dabei ist es prinzipiell egal, ob es sich um eine moderne oder eine alte Anlage handelt -, so steigen der spezifische Verbrauch und mithin die spezifischen Emissionen unweigerlich wieder an. Die Wirkungsgradverbesserung durch technischen Fortschritt wird damit teilweise zunichtegemacht. Das Fazit daraus: Wäre es Anja Hajduk bei diesem Projekt tatsächlich um den Schutz des Klimas gegangen, dann hätte sie alles tun müssen, um dieses moderne Großkraftwerk zu unterstützen, damit alte Kraftwerke abgeschaltet werden können.
Falk Schulte, Bremerhaven