09.09.2008 · Bei der Lektüre des Artikels "Der Gerd Müller der CSU - Horst Seehofer bewährt sich im Münchner Hofbräukeller - und davor" von Albert Schäffer (F.A.Z. vom 1. September) dürften sich viele politisch Interessierte die Frage gestellt ...
Bei der Lektüre des Artikels "Der Gerd Müller der CSU - Horst Seehofer bewährt sich im Münchner Hofbräukeller - und davor" von Albert Schäffer (F.A.Z. vom 1. September) dürften sich viele politisch Interessierte die Frage gestellt haben, ob es sich die CSU leisten kann, einen Politiker wie Horst Seehofer nicht an die Spitze zu stellen. Dies vor allem vor dem Hintergrund der Personalalternativen sowie einer zunehmend volatilen Wählerschaft. Ich habe den Eindruck, dass es vielen in der CSU langsam dämmert, dass er der einzig verbliebene Charismatiker in der Partei ist, der sowohl in Bierzelten als auch vor Fernsehkameras eine "bella figura" macht und komplizierte Sachverhalte verständlich rüberbringt. Gerade die "Bierzelttauglichkeit" sollte für einen CSU-Politiker nicht unterschätzt werden.
Darüber hinaus ist er einer der wenigen Politiker, die auch in Zeiten, in denen ihnen der Wind ins Gesicht geblasen hat, zu ihren Überzeugungen gestanden haben. Vor dem Hintergrund der Globalisierung, in der die Verunsicherung breiter Schichten der Bevölkerung zu- und das Vertrauen in die Politik abnimmt, wird Verlässlichkeit zu einem immer wichtigeren Beurteilungskriterium für einen Politiker. Dabei war der Sozialpolitiker Seehofer nie ein Sozialromantiker. Im Gegensatz zu "Gas-Gerd", der, bevor er zum Genossen der Bosse mutierte, die Belastbarkeit der Wirtschaft testen wollte, war Seehofer der Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik klar. Das könnte er von seinem Lehrmeister Franz Josef Strauß gelernt haben. Um bei der Analogie mit Gerd Müller zu bleiben: Seine "politische Torgefährlichkeit" stellt Seehofer bei Bundestagswahlen eindrucksvoll unter Beweis. In seiner industriell geprägten Heimat Ingolstadt, die alles andere als eine "gmade Wiesn" (bestelltes Feld) für die CSU ist, wird er "hochprozentig" mit der größten Differenz von Erst- und Zweitstimmenanteil gewählt. Am Industriestandort Ingolstadt ist die CSU die dominierende Partei, die SPD ist marginalisiert. Ähnliches ist mir von anderen industriell geprägten Landstrichen nicht bekannt.
DR. FRANZ HEIGENHAUSER, CHIEMING