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Leserbrief Türken, Deutsche und eine Auslandsakademie

30.07.2008 ·  Der Artikel "Kreativer Alleingang unerwünscht" (F.A.Z.-Feuilleton vom 26. Juli) erfordert eine Klarstellung: Das Projekt einer Auslandsakademie in Istanbul ist eine ausschließlich parlamentarische Initiative.

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Der Artikel "Kreativer Alleingang unerwünscht" (F.A.Z.-Feuilleton vom 26. Juli) erfordert eine Klarstellung: Das Projekt einer Auslandsakademie in Istanbul ist eine ausschließlich parlamentarische Initiative. Sie ist angeregt durch die Villa Massimo in Italien, die durch ihre hervorragende Arbeit in den letzten Jahren zum Dreh- und Angelpunkt des deutsch-italienischen Kulturaustausches geworden und mit dem Anspruch von Exzellenz ein zentrales Instrument der Kulturförderung des Bundeskanzleramtes und seines Kulturbeauftragten an einem für die deutsche Geschichte und Kunstgeschichte höchst bedeutsamen Ort ist: in Rom. Rom wurde dereinst West-Rom, weil ein Ost-Rom, nämlich Byzanz, aufgestiegen war. Es scheint, als ob der Ost-West-Konflikt in unserer Zeit in der Türkei seine Schnittstelle findet. Istanbul ist deshalb ein geeigneter Ort intellektueller und künstlerischer Auseinandersetzung.

Die Kulturhauptstädte Ruhr und Istanbul 2010 bieten einen guten Rahmen, im gleichen Jahr einen Betrieb zumindest zu starten. Das Miteinander von Türken, türkischstämmigen Deutschen, in Deutschland geborenen Türken und Deutschen, der Respekt, den wir uns untereinander schulden, erfordert geradezu eine deutsche Akademie in Istanbul: Wir kommen, wie schon in Rom, um zu lernen, um anzubieten, um zu werben. Die konzeptionellen Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen. Es ist ausgesprochen unglücklich, wenn in diese konzeptionelle Denkphase die Goethe-Bürokratie vorprescht mit dem Vorschlag, bei den Goethe-Instituten zu lokalisieren, was noch gar nicht umfassend beschrieben wurde. Dies wird das Parlament entscheiden. Die Goethe-Bürokratie sollte sich allerdings abwertender Äußerungen zu anderen Mittlern der Kulturpolitik enthalten.

Eine ins Auge gefasste Liegenschaft ist die kaiserliche Sommerresidenz Tarabya, die sich hervorragend als Akademie eignet. Mit dem Orient-Institut gibt es weitere Nutzungswünsche; ein Beherbergungsbetrieb wird dort ebenfalls vorgehalten. Mit dem Auswärtigen Amt als Verfügungsberechtigtem der Liegenschaft wird derzeit an einer Lösung gearbeitet.

Allerdings muss eines auch klar sein: Das Konzept allein bestimmt die Liegenschaft. Sollten statusrechtliche Fragen einer Realisierung entgegenstehen, muss - auch unter der Gefahr einer zeitlichen Verzögerung - eine Alternative in Istanbul gefunden werden. Der Exzellenz der Arbeit muss die Exzellenz der Liegenschaft entsprechen: Die Integrierung der Villa Massimo ins Kanzleramt war ein politisches Signal in Hinsicht auf ihre Erstklassigkeit. Genau das muss auch eine deutsche Akademie in Istanbul erwarten können.

Steffen Kampeter, MdB, Berlin

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