20.07.2008 · Die derzeitige Diskussion über die pädagogische Qualität der Universitäts- und Hochschulprofessoren und deren Lehrfähigkeit erfordert eine Ergänzung: Ein Professor an einer Universität hält eine Vorlesung, und ein Lehrer an einer Schule erteilt Unterricht.
Die derzeitige Diskussion über die pädagogische Qualität der Universitäts- und Hochschulprofessoren und deren Lehrfähigkeit erfordert eine Ergänzung: Ein Professor an einer Universität hält eine Vorlesung, und ein Lehrer an einer Schule erteilt Unterricht. Das ist nicht dasselbe. Bei einer Vorlesung informiert ein Professor, wie bei einem Vortrag, über sein Fachgebiet. Dagegen unterrichtet ein Lehrer seine Schüler und dabei kann auch gefragt und geantwortet werden. Während ein Lehrer seinen Schülern zum Einüben des Stoffes Hausaufgaben gibt, erfordert eine Vorlesung vom Studenten eine eigene Nacharbeit durch das Studium der Literatur. Durch diese Nacharbeit wird der Stoff der Vorlesung ergänzt, vertieft und erweitert.
Natürlich kann ein Professor seinen Stoff mehr oder weniger verständlich, interessant und anregend darbieten. Er wird aber auf das "mehr" und nicht auf das "weniger" achten. Denn seine Zuhörer werden sich entscheiden, ob sie für ihre Abschlussarbeiten, also die Diplom- (Master) oder die Doktorarbeit ihn wählen oder einen Kollegen, der ihnen als geeigneter erscheint. Es gibt und gab auch hervorragende Wissenschaftler, deren Vorlesungen schwer verständlich und wenig attraktiv sind oder waren, und das liegt nicht unbedingt an einer mangelnden pädagogischen Ausbildung.
Wenn man den Professoren vorwirft, sie seien wegen ihrer Karriere vor allem an der Forschung interessiert, dann übersieht man, wie eng Lehre und Forschung verbunden sind. Die Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten ist ein sehr wichtiger Teil in der akademischen Ausbildung. Geforscht wird nämlich im Wesentlichen von den Mitarbeitern eines Professors im Rahmen ihrer selbständig durchzuführenden Abschlussarbeiten. Der Professor schlägt im Allgemeinen das Thema vor, überwacht den Fortschritt der Arbeit und steht dem Mitarbeiter für Diskussionen zur Verfügung. Die Forschung liegt also keinesfalls nur im Interesse des Professors.
Professor Dr. Werner Funke, Leonberg