17.06.2008 · Eigentlich gehört die Episode des sogenannten "Milchstreiks" in die Sparte "Meldungen aus Absurdistan": Da versucht eine Gruppe von Produzenten, fundamentale Gesetze des freien Marktes auszuhebeln - und erhält Beifall von allen Seiten ...
Eigentlich gehört die Episode des sogenannten "Milchstreiks" in die Sparte "Meldungen aus Absurdistan": Da versucht eine Gruppe von Produzenten, fundamentale Gesetze des freien Marktes auszuhebeln - und erhält Beifall von allen Seiten dafür, dass sie Molkereien blockiert (die größtenteils ihr selbst gehören). Wenn dies Schule macht, sollten wir uns als Nächstes auf diese Art Streiks auch seitens anderer Produzenten gefasst machen: Erdölproduzenten blockieren Tankstellen, die Autoindustrie den Autohandel, Zeitungsmacher verkleben die Briefkästen der Abonnenten, um "gerechtere" Preise für ihre Produkte durchzusetzen. Warum bejubeln wir die Milch-Opec, wenn sie erfolgreich Marktgesetze aushebelt? Wahrscheinlich, weil wir uns an den Blut-und-Boden-Mythos gewöhnt haben, der diesen Produktionszweig umwabert. Wie wird es weitergehen? Wahrscheinlich nach dem Vorbild derer, für die die Bezeichnung "Seeräuber" hätte erfunden werden müssen: die (französischen) Fischer, die rücksichtslos das Erbe der gesamten Menschheit in den Meeren auf eigene Rechnung bis zur Vernichtung ausbeuten, das "secondary picketing" zwar nicht erfunden haben, aber brutalstmöglich anwenden, indem sie durch Hafenblockaden andere Wirtschaftszweige mit Ruin bedrohen, wenn der Staat ihre Umweltzerstörung nicht mit billigem Treibstoff subventioniert. Vorbildlich?
Thorgerd Varwig, Bad Homburg