30.09.2008 · Zur Leitglosse von Patrick Bahners "Schatten über Bayreuth" in der F.A.Z. vom 2. September: Man mag in der Tat einiges hinterfragen, was Katharina Wagner als Konzept für die Bayreuther Festspiele herausgeplaudert hat.
Zur Leitglosse von Patrick Bahners "Schatten über Bayreuth" in der F.A.Z. vom 2. September: Man mag in der Tat einiges hinterfragen, was Katharina Wagner als Konzept für die Bayreuther Festspiele herausgeplaudert hat. Ob sich das Werk Richard Wagners nun gerade als Mitmachoper für Kinder eignet, darf stark in Zweifel gezogen werden, hätten doch die Eltern beispielsweise im Falle der "Walküre" mehr Fragen zu beantworten, als ihnen lieb sein dürfte. Auch die von ihr betriebene "Demokratisierung" in Form von Open-Air-Events dürfte wohl kaum im Sinne des Urgroßvaters sein. Die Schlussszene der Meistersinger gibt eine Ahnung davon, was Richard Wagner wirklich damit gemeint hat, nämlich eine Symbiose aus Publikum und Künstler, die sich mittels einer Leinwand wohl kaum einstellen dürfte.
Allerdings muss ich Bahners in einem Punkt widersprechen. In seinem Kommentar zitiert er in einer negativen Konnotation den Ausspruch Katharina Wagners, dass Bayreuth sich immer auch durch eine "gewisse Provinzialität" ausgezeichnet habe. Das verwundert doch ein wenig, weil man an dieser Stelle Katharina Wagner durchaus zustimmen muss. Allerdings zeichnet sich nicht nur Bayreuth durch Provinzialität aus, sondern das Kulturleben in Deutschland überhaupt. Das liegt in der Intention Richard Wagners, denn das wahrhaft Eigentümliche des Deutschen, so schreibt er in seinem Essay "Über deutsches Musikwesen", der an das französische Publikum gerichtet war, bleibe "in einem gewissen Sinne immer provinziell". Durch einen Mangel an Zentralisation habe sich der innige und wahre Charakter der Musik erhalten, formuliert Wagner und führt weiter dazu aus: "eben deshalb finden wir, dass jede Provinz ihre Künstler aufzuweisen hat, die selbstständig ihre theuere Kunst pflegen".
Weimar und Meiningen sind hier nur exemplarisch zu nennen, um die Ausführungen Richard Wagners zu unterstreichen. Solche Stätten der Kultur sucht man nicht nur in Frankreich vergeblich. Allerdings müssen heutzutage anscheinend nicht nur die Franzosen von diesen Vorteilen der deutschen Kunst und Kultur überzeugt werden.
Jörn Henkel, Berlin