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Leserbrief Im Emissionshandel haben wir viel zu verlieren

25.09.2008 ·  Über die Strompreise wird kräftig geklagt. Fast die gesamte Republik stimmt in dieses Lied ein. Weniger klar ist das Bild, wenn es um die Gegenstrategien geht. Und manche finden die Entwicklung gar nicht so schlimm und argumentieren, ...

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Über die Strompreise wird kräftig geklagt. Fast die gesamte Republik stimmt in dieses Lied ein. Weniger klar ist das Bild, wenn es um die Gegenstrategien geht. Und manche finden die Entwicklung gar nicht so schlimm und argumentieren, dass hohe Energiepreise zu mehr Sparsamkeit beim Energieverbrauch führen. Teile der Politik drängen darauf, dass die Energiewirtschaft CO2-Zertifikate ab 2013 vollständig über Auktionen erwerben muss. Die F.A.Z. kommt in ihrem Leitartikel vom 13. September "Das ungeliebte Instrument" zu dem Schluss, dass dies so in Ordnung geht und der Strompreis, den die Kunden zahlen, dadurch nicht beeinflusst würde. Leider ist dem nicht so. Sollten CO2-Zertifikate nur noch über Versteigerungen erhältlich sein, würde dies Kohlekraftwerke aus dem Markt drängen. Ein wichtiger Stützpfeiler der deutschen Energieversorgung droht wegzubrechen. Können wir uns das leisten?

Neue Kraftwerke sind eine nationale Aufgabe. Wir brauchen sie dringend. Die Politik sollte daher auch beim CO2-Handel einen Rahmen schaffen, der diese wichtigen Investitionen fördert, statt sie zu hemmen. Die Gefahren sehen im Übrigen auch andere. So schrieb Professor Axel Ockenfeld vor kurzem in der F.A.Z.: "Kommt es zu einer Versteigerung, steigen die Investitionskosten. Um ein gleiches Investitionsniveau halten zu können, müssen die Strompreise also steigen." Hinzu kommen weitere Risiken. Die Versteigerungen sollen nämlich auch für branchenfremde Anbieter offen sein, etwa für Finanzinvestoren. Damit ebnet man der Spekulation den Weg.

Beim Thema Vollauktionierung hat Deutschland viel zu verlieren. Wenn wir die Kohleverstromung in Frage stellen, ohne gleichwertigen Ersatz zu haben, würde das Risiko der drohenden Kapazitätslücke weiter verschärft - mit weitreichenden Konsequenzen für die ohnehin unter Druck stehenden Preise. Dies dürfen wir nicht zulassen. Wir brauchen einen breiten Energiemix, in dem auch saubere moderne Kohlekraftwerke ihren Platz haben. In ökonomischer und ökologischer Hinsicht ist es aller Mühen wert, dafür Anreize zu schaffen. Der Emissionshandel ist dafür eine Stellschraube von hoher Bedeutung.

DR. JÜRGEN GROSSMANN, VORSTANDSVORSITZENDER RWE AG, Essen

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