02.01.2006 · Zum Leitartikel "Krankenhäuser im Umbruch" (F.A.Z. vom 16. November): Die Aufsätze Ihres Gesundheitsspezialisten Andreas Mihm beeindrucken durch gute Recherche und ausgewogenes Urteil. Sicher zu Recht wird darauf verwiesen, daß Krankenhäuser, ...
Zum Leitartikel "Krankenhäuser im Umbruch" (F.A.Z. vom 16. November): Die Aufsätze Ihres Gesundheitsspezialisten Andreas Mihm beeindrucken durch gute Recherche und ausgewogenes Urteil. Sicher zu Recht wird darauf verwiesen, daß Krankenhäuser, Krankenhausärzte und niedergelassene Ärzte darunter leiden, daß durch Kürzungen der Länder beziehungsweise durch die Deckelung der Ausgaben wirtschaftliche Notlagen entstehen. Aber gibt es nicht doch noch nicht ausgeschöpfte Ressourcen, mit denen man Kostenungerechtigkeiten finanzieren und dazu womöglich noch die Beiträge senken könnte?
Man spricht davon, daß die Vielzahl der Krankenkassen verringert werden soll. Das wäre gut. Aber wer spricht davon, daß die Krankenkassen ihre ins Kraut geschossenen Kosten nicht wirksam senken könnten? Ich denke nicht an die Leistungen für Ärzte, Krankenhäuser und Medikamente, sondern an die internen Verwaltungskosten der Krankenkassen. Sie haben sich in den letzten zehn Jahren (Stand 2003) überproportional um 67 Prozent erhöht, das Beitragsaufkommen stieg um 50 Prozent. Die Verwaltungskosten der Krankenkassen liegen bei etwa 6 Prozent des Beitragsaufkommens. Bei jährlich etwa 140 Milliarden Euro Ausgaben betragen die Verwaltungskosten also etwa 8 Milliarden Euro. Vor zehn Jahren waren es, rechnet man die Steigerungsrate herunter, noch 4,8 Milliarden Euro. Vergleicht man diese Entwicklung mit anderen Bereichen des Wirtschaftlebens, so muß man fragen: Haben die Kassen überhaupt rationalisiert? Es ist kein Geheimnis, daß große Verwaltungseinheiten der Industrie ihre Verwaltungskosten in diesem Zeitraum wirksam gesenkt haben! Selbst wenn man den Krankenkassen einen jährlichen Erhöhungsbetrag von 1,5 bis 2 Prozent zugestehen würde, zum Beispiel wegen der zusätzlichen Ausgaben, wären das in zehn Jahren kumulativ etwa 16 bis 22 Prozent und nicht 67 Prozent. Demnach könnten immer noch 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro eingespart werden. Bezogen auf das jährliche Beitragsaufkommen wären das fast 1,5 bis 1,7 Prozent, um welche die Beitragssätze niedriger sein könnten.
Vielleicht findet sich einmal eines der großen Beratungsunternehmen bereit, diesen Aspekt aufzugreifen und den Krankenkassen Vorschläge zu machen, wie man so etwas erfolgreich anstellt. In der freien Wirtschaft würde ein Unternehmen, das nicht kostengerecht arbeitet, Insolvenz anmelden müssen.
Friedrich Weitzel, Bensheim