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Leserbrief Heraufkunft des Nihilismus

14.11.2005 ·  Zum "Aufruhr in Frankreich": Ich werde erinnert an Nietzsches Prognose von der "Heraufkunft des Nihilismus" in seinem letzten, unvollendeten Werk "Wille zur Macht". Da heißt es am Schluß: Dieser Zustand führt dazu, daß "man Hand ...

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Zum "Aufruhr in Frankreich": Ich werde erinnert an Nietzsches Prognose von der "Heraufkunft des Nihilismus" in seinem letzten, unvollendeten Werk "Wille zur Macht". Da heißt es am Schluß: Dieser Zustand führt dazu, daß "man Hand anlegt und zugrunde zu richten versucht, was wert ist, zugrunde zu gehen. Der Vernichtung durch das Urteil sekundiert die Vernichtung durch die Hand" (Aphorismus 24).

Könnte der Aufstand dieser jungen Menschen nicht die Antwort sein auf eine völlig laizistische Erziehung? Keine tiefere Sinngebung des Lebens, schon gar nichts von einer religiösen Dimension. Wer die Schilderung Nietzsches genauer wissen will: In der Vorrede zu "Wille zur Macht" heißt es: "Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: die Heraufkunft des Nihilismus. Diese Geschichte kann schon jetzt erzählt werden; denn die Notwendigkeit selbst ist am Werke. Diese Zukunft redet schon in hundert Zeichen. Dieses Schicksal kündet überall sich an. Für diese Musik der Zukunft sind schon alle Ohren gespitzt. Unsere europäische Kultur bewegt sich seit langem schon in einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf eine Katastrophe los: unruhig, gewaltsam, überstürzt, einem Strome ähnlich, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen." Dieser Zustand tritt ein, wenn der Mensch "den Glauben an das Zusammengefühl und Abhängigkeitsgefühl von einem unendlich überlegenen Ganzen verlor und die übergreifende Einheit in der Vielheit des Geschehens fehlt. Ohne Zweck, ohne Einheit steht die Welt nun wertlos da" (Aph. 12). Dann folgt der oben zitierte Schluß.

P. Beda Müller OSB, Abtei Neresheim

Quelle: F.A.Z., 15.11.2005, Nr. 266 / Seite 37
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