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Leserbrief Gegen Datenklau nicht geschützt

27.08.2008 ·  Der Beitrag "Blickrichtung ändern" von Reinhard Müller (F.A.Z. vom 20. August) kann so nicht unwidersprochen bleiben. Der Staat ist sehr wohl der Böse. Gegen Unternehmen, die versuchen, Daten über mich zu sammeln, kann ich mich zur Wehr setzen.

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Der Beitrag "Blickrichtung ändern" von Reinhard Müller (F.A.Z. vom 20. August) kann so nicht unwidersprochen bleiben. Der Staat ist sehr wohl der Böse. Gegen Unternehmen, die versuchen, Daten über mich zu sammeln, kann ich mich zur Wehr setzen. Ich gebe niemandem meine Kontonummer. Eine Kontonummer, die der Geschäftspartner nicht kennt, kann man ihm auch nicht klauen. Ich nenne ihm mein Geburtsdatum nicht. Ich verrate ihm nichts über meine Hobbys, nichts über mein Einkommen, nicht, ob ich Kinder habe. Ich gebe ihm meine Telefonnummer nicht. Wenn er das zur Geschäftsgrundlage machen will, dann eben nicht.

Was mache ich aber gegen höchstrichterliche Urteile, die besagen, dass es legal ist, dass ein Unternehmen, mit dem ich faktisch gezwungen bin, Geschäfte zu machen (zum Beispiel Versorger), eine Abbuchung zur Bedingung für das Geschäft machen darf? Schützt mich da der Staat? Greift er da ein, um das zu unterbinden? Hat er dafür gesorgt, dass Daten, die ich einem Geschäftspartner offenbaren muss, dort bleiben und von ihm nicht anderweitig verwendet werden dürfen? Nein, im Gegenteil. Er geht mit Macht daran, mich immer mehr zu zwingen, mich elektronischer Wege zu bedienen, die ich nicht überschauen kann. Warum bekomme ich eine elektronische Gesundheitskarte, ohne die ich irgendwann keine ärztliche Leistung mehr in Anspruch nehmen kann? Glaubt jemand, alle Personen, die mit diesen Daten arbeiten, sind nur liebe Menschen?

Die Datenschützer brauchen ihre Blickrichtung nicht zu ändern. Sie schauen schon in die richtige Richtung. Leider ist der Blickadressat aber uneinsichtig und betreibt nur Augenwischerei. Gegen kriminellen Datenklau helfen keine Gesetze, die können nur ein Ausdruck der gesellschaftlichen Missbilligung dieses Tuns darstellen. Gegen Datenklau hilft nur, dass keine Daten da sind, die man klauen könnte. Wer mit offener Brieftasche herumläuft, der braucht sich nicht zu wundern, wenn sich jemand bedient. Problematisch wird die Sache aber, wenn der Staat einen zwingt, mit offener Brieftasche herumzulaufen, weil er meint, jederzeit wissen können zu müssen, was sich in dieser Brieftasche befindet. Die Freiheit stirbt langsam und leise.

FRANZ-JOSEF WARGERS, NORDHORN

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