08.06.2008 · Zum Beitrag "Sprache hat das letzte Wort" (F.A.Z.-Feuilleton vom 29. Mai): Edo Reents fasst seinen großartigen Artikel über die Gefährdung der deutschen Sprache im Wesentlichen so zusammen: Wir sind es selbst, die unsere Sprache ...
Zum Beitrag "Sprache hat das letzte Wort" (F.A.Z.-Feuilleton vom 29. Mai): Edo Reents fasst seinen großartigen Artikel über die Gefährdung der deutschen Sprache im Wesentlichen so zusammen: Wir sind es selbst, die unsere Sprache beschädigen, und zwar durch Nachlässigkeit und mangelnde Angemessenheit des Ausdrucks. Weniger müssen wir uns über die vordringenden Anglizismen aufregen. Diese Darlegungen überzeugen. Sie sollten allerdings durch konkrete Beispiele ergänzt werden. Es muss gesagt werden, dass höchste staatliche Institutionen in erschreckend unbedarfter Weise mit der deutschen Sprache umgehen. Das geht so weit, dass man angesichts völliger sprachlicher Unfähigkeit den staatlichen Organen manchmal empfehlen möchte, auf bewährte englische Begriffe auszuweichen.
Hier ein Beispiel: Während eines langweiligen Fluges nahm ich mir die Zeit, meinen Ausweis, den ich zuvor immer nur vage wahrgenommen hatte, genauer zu betrachten. Ich stellte fest, dass das Dokument tatsächlich als "Personalausweis" bezeichnet wird. Zuvor war ich immer der Auffassung, diese Bezeichnung sei Umgangssprache. Wie ich später gelesen habe, gibt es ein Bundesgesetz aus dem Jahre 1951, das die Rechtsgrundlage darstellt und diesen Begriff vorgibt. Rechtlich ist also alles in Ordnung. Aber sprachlich? Was man sich hier ausgedacht hat, ist für uns Deutsche eine Blamage in mancherlei Hinsicht. Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland werden auf ihren Ausweisen als Personal tituliert. Das ist schon starker Tobak. Da hilft auch nicht der Hinweis, man bringe doch nur zum Ausdruck, dass es sich um einen Personen-Ausweis handelt. Was denn sonst? Der Abgebildete ist immer eine Person. Hier wird eine peinliche Verdeutlichung vorgenommen, die zudem an Pedanterie nicht zu überbieten ist. Nichts gegen das Wort "Personal" am richtigen Platz: so gibt es das Personalvertretungsgesetz, das die Interessenvertretung des Personals im öffentlichen Dienst regelt. Daran ist sprachlich natürlich nichts auszusetzen.
Mit dem "Personalausweis" werden wir als Bürger geradezu veräppelt. Da hilft der Hinweis wenig, die Schöpfer dieses Wortes hätten sich doch nichts Böses gedacht. Der Personalausweis ist sprachlich nicht akzeptabel und gehört aus Respekt vor den Bürgerinnen und Bürgern der Bundesrepublik Deutschland in den Orkus. Gerade die jungen Leute, denen gerne Sprachschluderei vorgeworfen wird, beweisen ein feines Sprachgefühl, wenn sie das unappetitliche Monsterwort meiden und stattdessen vom "Perso" sprechen, was allerdings nicht mehr als ein Notbehelf ist. Hier muss dringend eine Diskussion in Gang gebracht werden. Auf meinem Personalausweis lese ich die englische Variante "Identity Card". Das ist zwar nicht deutsch, aber allemal besser als unser Personalausweis. Nicht schlecht wäre auch "Kennkarte", wenn dieses Wort nicht aus der Hitlerzeit stammen würde. Mein Vorschlag ist: Identitätskarte.
Heinrich Burdack, Krefeld