09.09.2008 · "Weit entfernt von der Bildungsrepublik" sieht Heike Schmoll in der F.A.Z. vom 21. August die Bundeskanzlerin vor dem Bildungsgipfel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer. Angela Merkel muss noch klären, in welchem Verhältnis ...
"Weit entfernt von der Bildungsrepublik" sieht Heike Schmoll in der F.A.Z. vom 21. August die Bundeskanzlerin vor dem Bildungsgipfel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer. Angela Merkel muss noch klären, in welchem Verhältnis die von ihr proklamierte Bildungsrepublik zur Föderalismusreform steht. Diese Proklamation erfolgte im Rahmen der Feiern zu sechzig Jahren Soziale Marktwirtschaft. Eine ordnungspolitische Besinnung fand aber nur für den Bereich der Wirtschaft statt. Diese wurde erst erfolgreich, nachdem der Staat von zentraler Planung sowie zentraler Lenkung und Verwaltung der Wirtschaftsunternehmen Abstand nahm; er blieb dabei nicht einfach untätig, sondern hat in harten politischen Auseinandersetzungen einen modernen Rahmen für das gute Funktionieren einer Marktwirtschaft geschaffen.
Auch das Bildungswesen wird erst nach einer ordnungspolitischen Wende erfolgreich werden, die Abschied nimmt von den überkommenen obrigkeitsstaatlich-zentralistischen Vorstellungen. Die Föderalismusreform hat diese Wende noch nicht bewirkt, sondern nur klargestellt, dass dafür nicht der Bund, sondern die Länder zuständig sind. Jedes einzelne Bundesland kann sein Schul- und Hochschulwesen "in die Freiheit entlassen" (Roman Herzog), indem es von staatlicher Planung und Lenkung der Bildungseinrichtungen künftig absieht und stattdessen einen ordnungspolitischen Rahmen schafft, der ihnen umfassende Autonomie gewährt, sie aber auch einem funktionsfähigen Wettbewerb unterwirft. Nur uneingeschränkte Kreativität und Wettbewerb garantieren Qualitätssteigerungen, die allseits für notwendig erachtet werden.
Heike Schmoll berichtet, dass die Bedeutung der Lehrerbildung für die Bildungsqualität beim Runden Tisch im Kanzleramt vielfach bekräftigt wurde. An diesem Beispiel lässt sich zeigen, welche Konsequenzen ordnungspolitisch aus dem Fehlen eines pädagogischen Grundkonsenses zu ziehen sind. Jedes Land kann aufhören, für die Lehrerbildung staatliche Vorschriften zu erlassen, und der Kreativität seiner Hochschulen Raum geben. Die Lehrerbildung wird dann in dem Maße vielfältig werden, in dem es an einem Konsens fehlt. Das ist auch notwendig, um im Wettbewerb der Hochschulen zu klären, welche Ausbildungskonzepte sich wirklich bewähren. Dazu gehört dann allerdings auch ein Wettbewerb auf der Abnehmerseite, das heißt, dass die Schulen Freiheit bei der Lehreranstellung erhalten, also entscheiden können, welche Ausbildungen sie brauchen können und daher bevorzugen. Diese Freiheit der Schulen wird nicht nur die pädagogische Zusammenarbeit, sondern auch die berufliche Freizügigkeit über die Landesgrenzen fördern. Denn die Schulen werden für ihr pädagogisches Profil gut geeignete Lehrer ohne Rücksicht darauf anstellen, in welchem Bundesland sie ausgebildet wurden. Jedes Bundesland kann auf die bevorzugte Anstellung der an den eigenen Hochschulen ausgebildeten Lehrer von einem auf den anderen Tag verzichten. Auch das gehört zum Wettbewerbsföderalismus, der mit der Föderalismusreform intendiert wurde.
Eckhard Behrens, Heidelberg