12.06.2006 · Nur 100 Künstler sollen auf der Documenta 2007 ihre Werke zeigen
Kassel (lhe.) Der wachsende Wille der Documenta, nicht nur moderne Kunst des Westens, sondern der ganzen Welt zu zeigen, macht die Vorbereitung der Kasseler Ausstellung zu einer globalen Aktion: Ein Jahr vor dem Start der nächsten Documenta berät sich Kurator Roger M. Buergel mit 70 Kunstzeitschriften aus allen Kontinenten, um Künstlerauswahl und Themen festzulegen. Obwohl er weltweit nach interessanten Künstlern sucht, wird nicht jedes Land vertreten sein. Buergel möchte der ausufernden Ausstellung Grenzen setzen und höchstens 100 Künstler auswählen, die sich dann mit mehreren Arbeiten präsentieren können.
Trotz aller theoretischen Überlegungen vorab verspricht der Kurator eine für jedermann begreifbare Ausstellung: Die Besucher sollen sich auch ohne das Studium großer Begleittexte einen Reim machen können auf die ausgestellten Kunstwerke. Dabei möchte Buergel auch zum Ursprung der Documenta zurückkehren und sie als Bildungsinstitution begreifen.
Über das, was in Kassel in einem Jahr zu sehen sein wird, schweigen die Organisatoren sich wie üblich noch weitgehend aus, die Hauptthemen aber stehen fest: die Frage der Moderne, der Bildung und der bloßen Existenz. Hauptausstellungsort soll wieder die Kunsthalle Fridericianum sein, verhandelt wird außerdem über die Nutzung weiterer Ausstellungsflächen, unter anderem der Neuen Galerie. Auch unter freiem Himmel soll wieder Kunst zu sehen sein. Bei der Künstlerauswahl will Buergel das Publikum mit Namen überraschen, die sonst nicht zum Repertoire internationaler Großausstellungen gehören. Diese Kunst aus fremden Ländern möchte er in Kassel eingebettet in ihren lokalen Zusammenhang vorführen.
Ganz ohne vorbereitende Lektüre will er die Besucher trotz allen Bemühens um Verständlichkeit dennoch nicht auf die Bilder loslassen: Drei "documenta 12 magazines" mit Beiträgen von den 70 internationalen Kunstzeitschriften sollen auf die Ausstellung vorbereiten: "Ich denke aber, daß man durch die Ausstellung - auch ohne diese Magazine zu kennen - fröhlich trällernd schlendern kann und etwas davon hat."