28.04.2005 · hor. FRANKFURT. Die monatelange kritiklose Ruhe um die Nationalmannschaft und deren Führung um Bundestrainer Jürgen Klinsmann scheint im deutschen Fußball wieder dahin. Nachdem sich in der vergangenen Woche DFB-Nachwuchskoordinator ...
hor. FRANKFURT. Die monatelange kritiklose Ruhe um die Nationalmannschaft und deren Führung um Bundestrainer Jürgen Klinsmann scheint im deutschen Fußball wieder dahin. Nachdem sich in der vergangenen Woche DFB-Nachwuchskoordinator Michael Skibbe gegen den Wunsch von Klinsmann und Manager Oliver Bierhoff nach einem Technischen Direktor Berti Vogts aufgelehnt hatte, erreichten den Bundestrainer an diesem Donnerstag kritische Worte von einem noch weit mächtigeren Addressaten: Der FC Bayern München ließ Klinsmann via Trainer Felix Magath seine sportlichen Ratschläge mitteilen und über Manager Uli Hoeneß dessen persönliche Ansichten über den Bundestrainer.
Magath empfahl dem Bundestrainer, beim Confederations Cup in Juni auf Michael Ballack zu verzichten. Der Kapitän der Nationalmannschaft, einer der deutschen Profis mit der höchsten Beanspruchung, solle die Zeit besser nutzen, um sich zu regenerieren, nicht zuletzt wegen der Weltmeisterschaft 2006. "Der FC Bayern und ich werden mit der Situation, daß er wenig Urlaub hat, auch nächste Saison zurechtkommen. Ob die Nationalmannschaft aber 2006 an einem Spieler Freude hat, der zuwenig Regenerationsphasen hat, kann ich nicht beurteilen. Aber wenn ich Bundestrainer wäre, hätte ich, was dieses Thema angeht, Bauchschmerzen", sagte Magath gegenüber der "Welt". Der Bayern-Trainer wird seinen deutschen Nationalspielern nach dem Turnier maximal drei Wochen Urlaub zugestehen. Ballack selbst wollte sich am Donnerstag nicht zu dem Vorstoß seines Vereinstrainers äußern. Klinsmann will bei der WM-Generalprobe mit der stärksten Mannschaft antreten.
In der "Zeit" äußerte unterdessen Manager Hoeneß seine Skepsis gegenüber einem erfolgreichen Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der WM. "Ob das mit Klinsmann gutgeht, weiß man nicht. Aber er schafft es, den jungen Leuten Selbstvertrauen einzugeben. Jürgen Klinsmann kommt aus Amerika, wo vieles auch nicht gut läuft. Aber er hat gelernt, so zu tun, als sei alles gut, und das versucht er zu vermitteln." Der Manager der Bayern, bei denen der ehemalige Stürmer vor zehn Jahren zwei Spielzeiten bestritt, äußerte sich auch mit kritischen Untertönen zum öffentlichen Auftreten des Bundestrainers: "Jürgen war schon immer ein sehr guter Schauspieler und ein guter Verkäufer seiner Person. Und er hat ein sehr gutes Gespür dafür, was in der heutigen Zeit in der Öffentlichkeit ankommt und was nicht."
Beim Thema Sebastian Deisler, dem Manager Bierhoff zuletzt einen Vereinswechsel vom FC Bayern zum Hamburger SV nahegelegt hatte, um sich im WM-Jahr weiterzuentwickeln, reagierte Klinsmann in Mainz während des Außerordentlichen DFB-Bundestags diplomatisch. "Sebastian muß sich durchsetzen und bei den Bayern Stammspieler werden. Oliver Bierhoff ist bei seiner Aussage mißverstanden worden. Er wollte dem Sebastian nur zeigen, daß er von unserer Seite die volle Unterstützung hat", sagte Klinsmann.