04.06.2007 · Das Thema Globalisierung wird auch auf dem 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln eine herausragende Rolle spielen.
Das Thema Globalisierung wird auch auf dem 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln eine herausragende Rolle spielen. Das von diesem Mittwochabend bis Sonntag stattfindende Treffen von etwa 100 000 Protestanten in der katholisch geprägten Domstadt wird nach Einschätzung des Kirchentagspräsidenten Reinhard Höppner (unser Bild) vor allem von dem Thema Globalisierung bestimmt werden. Dem Kirchentag liege daran, aus Konfrontationen herauszukommen und Kriterien wie die Menschenwürde für die Gestaltung der Globalisierung zu nennen, sagte Höppner der Katholischen Nachrichtenagentur. Höppner appellierte nach den schweren Krawallen bei der Großdemonstration in Rostock gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm an die friedlichen Globalisierungsgegner, sich nicht zurückzuziehen: "Sie sollten ihre Botschaft, die sie zu sagen haben, weiter deutlich sagen. Den Erfolg, dass friedliche Demonstranten nun aufgeben, dürfen wir den Gewalttätern nicht lassen", sagte Höppner dem Evangelischen Pressedienst.
Unter dem Motto "Macht der Würde - Globalisierung neu denken" will der Kirchentag am Donnerstag mit einer Liveschaltung vom Roncalliplatz am Dom zum Konzert der Globalisierungsgegner in Rostock das Anliegen der G-8-Kritiker unterstützen. Bei dem "Ruf an den G-8-Gipfel in Heiligendamm" wollen neben Höppner auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, und der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu sprechen. "Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, die Globalisierung nicht den neoliberalen Marktkräften zu überlassen. Sie sollen dort Einhalt gebieten, wo die Globalisierung Menschen demütigt. Es geht zum Beispiel um Entschuldung und gerechte internationale Handelsregeln", sagte Höppner, der von 1994 bis 2002 für die SPD als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt regierte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will nach dem Gipfeltreffen am Samstag zum Kirchentag kommen, um mit dem aus Bangladesch stammenden Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus über die politischen Möglichkeiten zu diskutieren, die Weltwirtschaft gerechter zu gestalten. Am Samstag wird ebenfalls Bundespräsident Horst Köhler erwartet, der an einer Diskussionsrunde zum Thema "Europa in der Welt" teilnimmt. Kirchentagspräsident Höppner nannte die Teilnahme von Kanzlerin und Bundespräsident ein "wichtiges Signal", weil "diejenigen, die hinter dem Zaun beraten, und die, die protestieren, dadurch ins Gespräch kommen".
Der Kirchentag steht diesmal unter der Losung "Lebendig und kräftig und schärfer". Das Bibel-Zitat aus dem Hebräerbrief (Kapitel 4, Vers 12) lautet vollständig: "Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens." Die Losung fordere Christen dazu auf, "Profil zu zeigen", sagte Höppner.