25.05.2006 · Benedikt XVI. kritisiert mit seinem Grußwort zum Katholikentag in Saarbrücken „Donum vitae“. Der aus der Mitte des Zentralkomitees der deutschen Katholiken hervorgegangene Verein, unterhält gegen den Willen des Papstes staatlich anerkannte Konfliktberatungsstellen.
Lange nichts gehört von Joseph Ratzinger. Als junger Theologieprofessor hatte er 1972 der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland den Rücken gekehrt, Katholikentagen wohnte er seit den sechziger Jahren insgesamt nur dreimal bei. Die bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückgehende Tradition des organisierten Laienkatholizismus blieb ihm immer fremd.
Beim Katholikentag in Saarbrücken aber konnte Ratzinger nicht fehlen. Ein Grußwort des Papstes bei der Eröffnungsfeier ist gute Tradition. Benedikt XVI. meisterte die Aufgabe so, daß seine Worte noch lange in Erinnerung bleiben dürften. „Liebe Brüder und Schwestern, mir scheint, daß heute ein neues Interesse am christlichen Glauben feststellbar ist", so sprach der Papst am Mittwoch abend durch den Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Erwin Ender. „Informiert Euch, sprecht und feiert miteinander, vor allem aber vertieft Euren Glauben, reinigt Euer Herz, faßt Mut zum Bekenntnis, öffnet Eure Hände.“
Seine Mahnung „Das Zeugnis der Kirche ist nur glaubwürdig, wenn das Zeugnis der Laien in Einheit mit dem Papst und den Bischöfen erfolgt“ klang noch wie eine Selbstverständlichkeit. Auch die Reminiszenz an den aus dem nahe gelegenen Trier stammenden Mailänder Bischof Ambrosius war für sich genommen unverdächtig. „Er, der von innen her um die Eigenart der Politik seiner Zeit wußte, betonte wie kaum ein anderer die Freiheit der Kirche und die Bindung des Staates an moralische Prinzipien.“
Spätestens bei der auf Papst Johannes Paul II. zurückgehenden Gegenüberstellung einer „Kultur des Todes“ und einer „Zivilisation der Liebe“ und der Aufforderung, „alles zu vermeiden, was die Klarheit des christlichen Zeugnisses verdunkelt", wurde klar, worauf Benedikt hinauswollte: Auf "Donum vitae", jenen im Jahr 1999 aus der Mitte des Zentralkomitees der deutschen Katholiken hervorgegangenen Verein, der gegen den Willen des Papstes "katholisch geprägte" und zugleich staatlich anerkannte Konfliktberatungsstellen unterhält. Sicher wird Ratzinger auch beim nächsten Katholikentag im Jahr 2008 in Osnabrück wieder von sich hören lassen. Dann aber dürfte er keinen Grund mehr haben, auf "Donum vitae" anzuspielen. Der päpstliche Bannstrahl sollte die ungehorsamen Laien längst direkt getroffen haben.