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Kabelanbieter Comcast greift nach Disney

11.02.2004 ·  Feindliche Offerte im Wert von 54 Milliarden Dollar / Größter Medienkonzern der Welt

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dri. FRANKFURT, 11. Februar. Der amerikanische Unterhaltungskonzern Walt Disney Co. ist Ziel einer feindlichen Übernahme. Die Comcast Corp., der größte Anbieter von Kabelfernsehen in den Vereinigten Staaten, hat für das kalifornische Unternehmen ein Übernahmeangebot im Wert von 54 Milliarden Dollar abgegeben. Sollte der Vorstoß von Comcast von Erfolg gekrönt sein, entstünde der größte Medienkonzern der Welt. Der Börsenwert läge bei mehr als 120 Milliarden Dollar, der Umsatz bei 45 Milliarden Dollar. Derzeit ist Time Warner die größte Mediengruppe.

Das Übernahmeangebot kam für die Wall Street sehr überraschend. Brian Roberts, Vorstandsvorsitzender und Großaktionär von Comcast, hatte erst in dieser Woche Disney-Chef Michael Eisner zu Übernahmegesprächen eingeladen. Doch Eisner lehnte das Ansinnen postwendend ab, was Comcast zu der aus der Sicht des Disney-Managements unerwünschten Abgabe eines öffentlichen Übernahmeangebots veranlaßte.

Über den Kauf von Walt Disney will Comcast zu einem integrierten Medienkonzern aufsteigen - ähnlich wie Time Warner oder die australische News Corp., die unlängst mit DirecTV den größten Anbieter von Satellitenfernsehen in Amerika übernommen hat. Dahinter steht die Idee, Distribution und Inhalte unter einem Dach anzubieten. Comcast zählt in Amerika 21 Millionen Kabel-TV-Kunden, zum Disney-Konzern gehören wiederum Filmstudios, der Fernsehsender ABC, der Sportkanal ESPN und die Disney-Freizeitparks.

Comcast hat für sein Übernahmeangebot einen günstigen Zeitpunkt gewählt. Denn der 61 Jahre alte Michael Eisner, der seit fast 20 Jahren Disney führt, steht seit geraumer Zeit unter erheblichem Druck seiner Gesellschafter. Hauptkritiker ist Roy Disney, der letzte Manager aus der Familie des Unternehmensgründers Walt Disney. Er verließ im vergangenen Herbst den Verwaltungsrat und warf Eisner vor, er führe ein raffgieriges und seelenloses Unternehmen, das auch noch operative Schwächen habe, vor allem bei ABC und den Themenparks. Außerdem, so der Vorwurf von Disney, weigere sich Eisner, eine klare Nachfolgeregelung auf den Weg zu bringen.

Das Vertrauen, das Eisner an der Wall Street verspielt hat, genießt dagegen Brian Roberts von Comcast, das als der effizienteste Kabelfernsehkonzern Amerikas gilt. Roberts, dessen Familie Comcast 1963 gegründet hatte, focht erst vor zwei Jahren ein anfangs unerwünschtes Übernahmeangebot für das Kabelgeschäft von AT&T durch. Die Transaktion hatte seinerzeit einen Gesamtwert von 72 Milliarden Dollar. Einschließlich der zu übernehmenden Nettoschulden in Höhe von 11,9 Milliarden Dollar bietet Comcast jetzt 66 Milliarden Dollar für Walt Disney. Jede Disney-Aktie soll in 0,78 Comcast-Aktien eingetauscht werden, was zum Zeitpunkt der Bekanntgabe einer Prämie von knapp 10 Prozent auf den Disney-Kurs vom Dienstag entsprach. Am Mittwoch stieg die Disney-Aktie aber um gut 15 Prozent auf 27,70 Dollar und bewegte sich damit deutlich oberhalb des rechnerischen Wertes der Comcast-Offerte. Dies zeigt, daß sich die Wall Street auf eine Nachbesserung des Comcast-Angebots einstellt. Comcast-Chef Roberts ist zuversichtlich, daß die Wettbewerbsbehörden den Zusammenschluß von Comcast und Disney nicht blockieren würden, nachdem sie auch die Übernahme von DirecTV durch News Corp genehmigt haben.

Milliarden für Mickey, Seite 14

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2004, Nr. 36 / Seite 11
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