13.09.2007 · Joachim Erwin, der Oberbürgermeister von Düsseldorf, feiert den größten Erfolg seiner Politik. Düsseldorf ist seit diesem Mittwoch „wirtschaftlich schuldenfrei“.
Von Peter SchilderJoachim Erwin, der Oberbürgermeister von Düsseldorf, ist krank. Das ist nicht zu übersehen, und er selbst macht keinen Hehl daraus. „Soll das nun bedeuten“, sagt er, „dass ich nichts mehr tue?“ Das bedeutet es für ihn nicht. Er tut den Job seines Lebens, der macht ihm Spaß, der füllt ihn aus und lässt ihm gar keine Zeit zum Klagen. Das gilt erst recht jetzt, da er vor dem größten Erfolg seiner Politik steht. Düsseldorf wird an diesem Mittwoch „wirtschaftlich schuldenfrei“. Der Zusatz „wirtschaftlich“ ist keine Einschränkung, sondern auch noch mal ein Stück nach dem Willen Erwins. Denn mit den Schulden, an denen die Stadt noch festhält, verdient sie Geld, weil die Schuldzinsen niedriger sind als die Habenzinsen.
1999, in der ersten Düsseldorfer Direktwahl, wurde der Rechtsanwalt Erwin, der damals im Stadtrat und Bürgermeister war, in das Amt des hauptamtlichen Oberbürgermeisters gewählt. In der Stichwahl setzte er sich mit gut dreitausend Stimmen Vorsprung gegen die Amtsinhaberin durch. Kaum einer außer ihm selbst und seiner Familie, seiner Frau und seinen beiden Kindern, hatte das erwartet, denn Erwin war und ist nicht nur hellauf beliebt. Er ist von sich und seiner Meinung überzeugt und in seinen Äußerungen klar, nicht selten schonungslos. Zweifel duldet er nicht. Was ihm wichtig ist, macht er zur Chefsache, und es gibt wenig, das er nicht für wichtig hält.
Vortrefflich sorgt er dafür, dass seine Meinung und sein Standpunkt bekannt werden, gerade dann, wenn sie etwas abseits des Trends liegen. So legt er sich auch mit dem Ministerpräsidenten an oder wettert gegen Benachteiligungen durch das neue Kinderbildungsgesetz der Landesregierung. Da kennt er keine Parteifreunde und erst recht keine politischen Gegner. Auch Amtskollegen anderer Städte schont er nicht.
Erwin versteht sich als Vorstandsvorsitzender der Stadt. Sein Amt hat er als Stabsstelle ausgebaut, so dass er die Dinge zügig bewegen kann, wenn er es für erforderlich hält. In der Stadtverwaltung dringt er auf kurze Wege und Fristen. Bei der Besetzung von Posten ist die Parteizugehörigkeit nachrangig. „Was der Stadt und den Menschen nützt“, so seine Rede, will er verwirklichen. Dabei geht er pragmatisch und unideologisch vor, was Gegner gerne als besonders ideologisch verstehen. Sein Amtshandeln ist an den Erfordernissen der Wirtschaft orientiert, aber er vermag durchaus zu überraschen - etwa bei Aufwendungen für die Jugendhilfe oder indem er die Umweltpolitik entschlossen umsteuernd an sich zieht. Er erinnert sich, dass er 1971 das erste umweltpolitische Programm der Jungen Union mitgeschrieben hat.
Der 1949 in Stadtroda in Thüringen geborene Erwin dreht gern am großen Rad der Politik, vor allem wenn es um Grundsatzfragen der Kommunalpolitik geht. Kommunalpolitiker ist er mit Leib und Seele. Er mischt sich unter die Leute in der Altstadt und hat seine Freude daran, erkannt und angesprochen zu werden. Der Seniorennachmittag beim Schützenfest ist für ihn ein Pflichttermin, der ihm sogar Freude macht. Auch auf diese Weise schaffte er es, im Jahr 2004 im ersten Wahlgang wiedergewählt zu werden. Sein jüngster Erfolg nun treibt ihm neue Freunde zu. Deshalb gibt es für ihn überhaupt keinen Zweifel, dass er sich 2009 zur Wiederwahl stellt.