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Jef D'hont Kronzeuge ohne Beweise vollendet das Doping-Puzzle

29.04.2007 ·  FRANKFURT. Jef D'hont hat das Urteil über ihn im Radsport vorweggenommen: "Man wird mich einen Nachtreter und einen Nestbeschmutzer nennen, man wird mein Buch als Abrechnung betrachten", sagte er dem "Spiegel", "aber ich will, dass ...

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FRANKFURT. Jef D'hont hat das Urteil über ihn im Radsport vorweggenommen: "Man wird mich einen Nachtreter und einen Nestbeschmutzer nennen, man wird mein Buch als Abrechnung betrachten", sagte er dem "Spiegel", "aber ich will, dass sich endlich einmal etwas von Grund auf ändert, dass die Scheinheiligkeit ein Ende hat und mir ihr die Omertà." Wenn das kein Wandel ist. D'hont gehörte vierzig Jahre lang der Szene an, hat sich als Aktiver mit Amphetamin hochgeputscht, hat Athleten Dopingmittel besorgt, hat ihnen Epo-Spritzen ins Gewebe gestoßen. Und weil französische Staatsanwälte den Belgier nach dem Festina-Skandal erwischten, lernte er das Leben in Haft und die Auflagen einer Bewährungsstrafe kennen.

Das mag einen Menschen bewegen, über seine Vergangenheit nachzudenken. Vielleicht hat D'hont tatsächlich die späte Reue gepackt. Allerdings ist nicht bekannt, ob er das Honorar für sein Telekom-Enthüllungs-Buch, dass an diesem Montag auf den Markt kommt, spendet - einer Anti-Doping-Stiftung etwa. Wahrscheinlich ist es nicht unbedeutend, dass der Radsportfreak seit drei Jahren im Ruhestand lebt, dass sein Sohn nicht mehr beim inzwischen umbenannten Team T-Mobile arbeitet und dass der frühere Telekom-Manager Walter Goodefrot das laut D'hont angeblich vereinbarte "Schweigegeld" bis heute nicht überwiesen hat. Aber letztlich sind die Motive nicht mal zweitrangig. Wichtig ist nicht die Frage, warum er von einem Dopingsystem beim Radrennstall Telekom bis zu seinem Abschied 1996 berichtet, sondern ob seine Angaben der Wahrheit entsprechen. D'hont sagt selbst, die Beweise für seine Geschichte seien vernichtet worden, von seiner Frau, als er 1998 in Untersuchungshaft saß. Dann aber hätten der frühere Telekom-Mann Godefroot, die Mediziner Schmid und Heinrich sowie die Profis Ullrich und Konsorten leichtes Spiel, ihn aus dem Sattel zu heben. Doch von juristischen Schritten hat man nichts gehört. Obwohl D'hont schon Ende März Godefroot, die Freiburger Ärzte und den Tour-Sieger Riis attackiert hatte.

Womöglich sind sich die Betroffenen nicht sicher, was sie vor Gericht erwarten würde: Ob D'hont nur hoch pokert oder nicht doch noch ein Notizbuch oder Quittungen zur Stützung seiner Geschichte hervorholt. Sie ist nach zehn und mehr Jahren so detailliert, so stark mit Zitaten der Betroffenen gespickt, dass Zweifel wachsen. Muss der erste Telekom-Insider, der so konkret und ausführlich Ross und Reiter nennt, den Epo-Transport von Freiburg nach Belgien bis hin zur Vergabe schildert, nicht Aufzeichnungen oder Beweise in der Hinterhand halten? Ein verlorener Prozess könnte ihn schließlich ruinieren.

Dass D'hont ein Mann des Fachs war, belegen seine Vita und Methoden - wie die Verschleierung von Doping. Und das ging so: "Zunächst betäubte ich die Harnröhre mit Xylocain, einem stark schmerzlindernden Gel. (. . .) Wenn diese betäubt war, schob ich das Röhrchen weiter hinein, etwa 20 Zentimeter. Am Ende des Röhrchens war ein kleines Bällchen. So merkte man, wenn man die Blase (. . .) erreichte. Stach man durch diese Pforte, entleerte sich die Blase. Anschließend wurde die Blase mit Kochsalzlösung gereinigt. Dritter Schritt: Blase nochmals entleeren. Dann (. . .) wurde frischer, sauberer Urin eines Mechanikers oder von mir selbst eingespritzt. Der Fahrer konnte unbesorgt zum Dopingtest." Hier schreibt ein Kenner. Seine Geschichte scheint wie ein letztes großes Teil in das Doping-Puzzle zu passen. D'honts Darstellung wirkt realistisch. Nur in einem Punkt ist der Mann ein Phantast: Scheinheiligkeit und Schweigegelübde wird sie nicht beenden. ANNO HECKER

Quelle: F.A.Z., 30.04.2007, Nr. 100 / Seite 34
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