05.06.2005 · mir. KARLSRUHE, 5. Juni. Nachdem die Aktionäre dem Vorstand und dem Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung am Freitag die Entlastung verweigerten und Vorstandschef Hans Fahr schon vorher zurücktrat, steht dem Maschinenbaukonzern ein tiefgreifender Wandel bevor.
mir. KARLSRUHE, 5. Juni. Nachdem die Aktionäre dem Vorstand und dem Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung am Freitag die Entlastung verweigerten und Vorstandschef Hans Fahr schon vorher zurücktrat, steht dem Maschinenbaukonzern ein tiefgreifender Wandel bevor. Es muß nicht nur ein neuer Vorstandsvorsitzender gesucht werden. Auch im Aufsichtsrat dürfte es Veränderungen geben. IWKA wird es in seiner heutigen Form, mit Automobil-, Verpackungs- und Robotertechnik, vermutlich bald nicht mehr geben. Es soll schon zwei Kaufangebote für die Verpackungssparte geben, war auf der Hauptversammlung zu hören. Allmählich lichten sich die Umstände um den Rücktritt von Vorstandschef Fahr. Der Aufsichtsrat soll ihm nahegelegt haben zu gehen.
"Eine neue Vorstandsspitze kann gewährleisten, daß die Strukturen ohne vorgefertigte Meinung auf den Prüfstand gestellt werden", fordert der Hermes-Fonds, der 6,5 Prozent an IWKA hält, in einer Mitteilung. Nur leicht verklausuliert wird verlangt, daß auch "der Aufsichtsrat einen unvoreingenommenen Neuanfang unterstützen sollte". Dies ist eine klare Aufforderung zum Rücktritt. Während der Hauptversammlung hatte der Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte, der 6,6 Prozent an IWKA hält, gesagt, in welche Richtung sich der Konzern seiner Ansicht nach wenden sollte. Neben personellen Erneuerungen in Vorstand und Aufsichtsrat heißt der Schwerpunkt künftig Robotertechnik mit der Marke Kuka. Ein Vertreter der Landesbank Baden-Württemberg, die 5,1 Prozent der IWKA-Anteile besitzt, dagegen stützte die bisherige Drei-Säulen-Strategie. Allerdings dürfte sich kein Vorstandsvorsitzender finden, der sich gleich gegen den streitbaren Wyser-Pratte stellt.
Der Amerikaner, der bei der Hauptversammlung mit sonorem Tremolo die Schutzlosigkeit von Aktionären beklagte, darf sich auf ein juristisches Nachspiel einstellen. Wyser-Pratte hatte vor der Hauptversammlung dem Vorstand vorgeworfen, Zahlen geschönt und Aufträge manipuliert zu haben. Das wäre Bilanzfälschung und ein Fall für den Staatsanwalt. Außerdem hat Wyser-Pratte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ohne deren Wissen für seine Interessen eingespannt. Seine Suche nach Mitstreitern für eine Ablösung von Vorstand und Aufsichtsratsmitgliedern sei nach Angaben der Bafin nicht als abgestimmtes Verhalten ("acting in concert") zu werten, behauptete er auf der Hauptversammlung. Das Amt widersprach. Nun muß sich zeigen, ob die Bafin diese trickreiche Instrumentalisierung hinnimmt.
Doch Wyser-Pratte weiß sich auch rechtzeitig zu mäßigen. Kaum hatten die Aktionäre Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigert, zog er seinen Antrag zurück, den ehemaligen Daimler-Vorstand Jürgen Hubbert und IWKA-Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhard Engel abzuwählen. Daß doch abgestimmt wurde, verdankten die Aktionäre Ekkehard Wenger, der auf einer Abstimmung laut Tagesordnung bestand. Der Antrag fiel durch. Mit Wyser-Prattes Rückzug wurde Hubbert die Schmach einer Abwahl erspart. Während der Hauptversammlung hatte IWKA-Aufsichtsrat Volker Doppelfeld, bei BMW im gleichen Amt, Vorwürfe von Wyser-
Pratte, die Autokonzerne drückten via Aufsichtsrat, unter anderen durch Hubbert, die Preise bei IWKA, souverän gekontert. Überhaupt machte Doppelfeld den Eindruck, als habe er im Aufsichtsrat das Sagen. Weniger souverän war IWKA-Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Engel. Nur mit tätiger Hilfe des Konzernjustitiars brachte er die Veranstaltung zu Ende.