24.05.2005 · Der Hersteller von Badarmaturen will den ostdeutschen Standort Herzberg schließen
kön. FRANKFURT, 24. Mai. Der Badarmaturen-Hersteller Grohe Water Technology wird voraussichtlich 1200 betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Dies war aus unternehmensnahen Kreisen zu erfahren. Damit werden drei Viertel des angekündigten Abbaus von 1500 der insgesamt 4650 Arbeitsplätze auf Entlassungen entfallen (F.A.Z. vom 24. Mai). Nur ein kleiner Teil könne durch Abfindungen, Altersteilzeit oder Fluktuation bewerkstelligt werden, hieß es.
Das im westfälischen Hemer ansässige Unternehmen, das mit einem Weltmarktanteil von 10 Prozent größter Anbieter von Badarmaturen ist, will nach den Informationen auch den ostdeutschen Produktionsstandort Herzberg mit 300 Beschäftigten schließen, wo Rohre produziert werden. An den vier anderen deutschen Standorten soll die Zahl der Belegschaft reduziert werden. Geplant ist, Teile der Produktion an Auslandsstandorte wie in Portugal zu verlagern, wo die Beschäftigung sogar ausgeweitet werden soll. Grohe fertigt auch in Thailand, Kanada und in China. Der drastische Stellenabbau soll innerhalb der kommenden zwei Jahre erfolgen.
Das Unternehmen selbst machte keine genauen Angaben zu den Plänen. Akut seien 1500 Arbeitsplätze durch einen Abbau gefährdet, sagte ein Unternehmenssprecher nur. Er betonte, daß die von der IG Metall genannte Zahl von 3000 bedrohten Arbeitsplätze unzutreffend sei. Diese Zahl wurde auch in einem Gutachten der Unternehmensberatung McKinsey genannt. Diese Zahl werde in keiner Weise vom Vorstand gestützt, sagte der Sprecher. Durch Stellenabbau und Einsparungen im Einkauf sollen nach dem Gutachten in den kommenden fünf Jahren 150 Millionen Euro eingespart werden. Die Verhandlungen zwischen Vorstand sowie Betriebsrat über einen sozialverträglichen Abbau könnten nach Ansicht von Unternehmensbeobachtern womöglich in den nächsten Tagen abgeschlossen werden. Zu hören ist ebenso, daß beide Parteien nach einer einvernehmlichen Lösung suchen.
Das Unternehmen Grohe, das im Sommer von BC Partners an die Finanzinvestoren Texas Pacific Group (TPG) und Credit Suisse First Boston Private Equity verkauft worden ist, begründet die Umstrukturierung mit den hohen Produktionskosten in Deutschland sowie mit der Diskrepanz zwischen Produktions- und Umsatzanteilen im Inland. Wegen der schwachen Baukonjunktur ging der Umsatz im Inland in den vergangenen fünf Jahren von 225 auf 150 Millionen Euro zurück; 80 Prozent des Umsatzes von 885 Millionen Euro (2003) stammen aus dem Ausland, doch 80 Prozent der Produktion erfolgen noch im Inland. Darüber hinaus belasten der starke Euro sowie die gestiegenen Rohstoffpreise die Ergebnislage. Im Jahr 2003 hatte Grohe noch ein operatives Ergebnis von 180 Millionen Euro erzielt. Ebenso wird der Wettbewerb auf den internationalen Märkten immer härter. Zudem drückt die Einkaufsmacht der Kunden auf die Marge. Wie zu hören ist, hat Grohe den Marktanteil mit niedrigeren Margen teuer verteidigt.