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Google läßt mit seinem Börsengang viele Fragen offen

02.05.2004 ·  Das Unternehmen bricht mit Traditionen / Umstrittene Internetauktion / Keine Ergebnisprognosen

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Google Inc., Mountain View (Kalifornien). Die Internetgesellschaft hat mit ihren Börsenplänen in Amerika für große Aufregung gesorgt. Google wird bei dem bevorstehenden Börsengang mit vielen Traditionen brechen. Wie in einem Teil unserer Auflage vom Freitag gemeldet, hat das Unternehmen für die Ausgabe seiner Aktien ein in Amerika sehr unübliches und umstrittenes Auktionsverfahren gewählt. Positiv überrascht zeigten sich viele Experten von den erstmals veröffentlichten Geschäftszahlen. Viele andere Fragen zu dem Börsengang bleiben aber auch nach der Ankündigung aus der vergangenen Woche unbeantwortet.

Google teilte der amerikanischen Börsenaufsicht SEC mit, bis zu 2,7 Milliarden Dollar mit dem Börsengang einnehmen zu wollen. Ein Termin für die Erstnotiz wurde noch nicht genannt, Beobachter rechnen in frühestens drei Monaten damit. Auch der Ausgabepreis steht noch nicht fest: Google will den Preis und die Verteilung der Aktien über eine Auktion bestimmen. Potentielle Anleger können über Internet, Telefon oder Fax die Zahl der von ihnen gewünschten Aktien angeben und den Preis, den sie zu zahlen bereit sind. Google wird für diese Auktion als Orientierung eine Preisspanne vorgeben, an die sich die Bieter aber nicht halten müssen. Der letztliche Emissionspreis soll dann derjenige Betrag sein, mit dem gerade noch alle zur Verfügung stehenden Aktien verkauft werden können. Wann die Auktion beginnt und wie lange sie dauert, wurde nicht mitgeteilt.

Die Auktion wird von den Emissionsbanken Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston durchgeführt. Für die Banken dürfte der Google-Börsengang zwar eine prestigeträchtige, aber vergleichsweise wenig lukrative Angelegenheit sein. Die von Google definierte Rolle der Finanzhäuser ist weitaus weniger bedeutsam als bei traditionellen Börsengängen, wo die Banken aufwendige Präsentationen für Investoren organisieren und teure Analysen erstellen. Spekulationen zufolge können die Banken bei Google nur mit einem Honorar von rund 3 Prozent des Emissionserlöses rechnen, wohingegen bei anderen Börsengängen 7 Prozent üblich sind.

Für die Anleger ist das Auktionsverfahren eine zweischneidige Sache. Kleinanleger haben eine bessere Chance, bei der Aktienvergabe zum Zuge zu kommen: Jedes Gebot über dem Emissionspreis soll berücksichtigt werden, unabhängig von wem es kommt. Bei traditionellen Börsengängen wurden dagegen in den vergangenen Jahren häufig institutionelle Anleger oder wichtige Kunden der Emissionsbanken bei der Ausgabe bevorzugt. Andererseits ist die Gefahr der Überhitzung im Auktionsverfahren groß: Angesichts des Erfolgs und der Popularität von Google dürfte die Nachfrage nach Aktien sehr groß sein und mögliche Investoren zu sehr hohen Angeboten verführen. Dies wiederum könnte bedeuten, daß der Google-Kurs nach dem Börsengang unter den Emissionspreis fällt. Google wies daher bei seiner Ankündigung auf die Möglichkeit hin, den Emissionspreis niedriger anzusetzen, als es das Ergebnis der Auktion erlauben würde.

Für Irritation sorgte, daß Google für den Börsengang zwei Aktienkategorien schafft: Die Papiere mit vollem Stimmrecht bleiben bei den bisherigen Aktionären. Ausgegeben wird nur eine zweite Aktiensorte, die ein Zehntel des Stimmrechts der Original-Aktien verbrieft. Dieses System ist vergleichbar mit der in Deutschland nicht seltenen Aufteilung in stimmberechtigte Stammaktien und stimmrechtslose Vorzugsaktien. Auf wenig Begeisterung stieß Google auch mit der Ankündigung, nach dem Börsengang keine Ergebnisprognosen abgeben zu wollen.

Google entstand im Jahr 1998, als sich zwei Studenten der kalifornischen Stanford-Universität für ein Projekt zur Internetsuche zusammengetan haben: der gebürtige Russe Sergey Brin und der Amerikaner Larry Page, heute 30 und 31 Jahre alt. Innerhalb weniger Jahre wurde Google zur marktführenden Suchmaschine und gleichzeitig zu einer Kultmarke. In Amerika hatte Google im Februar einen Anteil von 35 Prozent an Internet-Suchvorgängen, gefolgt von Yahoo mit 30 Prozent und dem Microsoft-Dienst MSN mit 15 Prozent. Auch in Deutschland liegt Google klar an der Spitze.

Google erzielt mehr als 95 Prozent seines Umsatzes mit dem Verkauf von Anzeigen, die neben Suchergebnissen plaziert werden. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, lag der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr bei 961,9 Millionen Dollar, nach 347,8 Millionen Dollar im Vorjahr. Der Nettogewinn stieg von 99,7 auf 105,6 Millionen Dollar. Die Google-Gründer haben heute einen Anteil von jeweils etwas mehr als 15 Prozent am Unternehmen, der im Jahr 2001 geholte Chief Executive Officer Eric Schmidt hält 6 Prozent. Der Börsengang wird die drei Männer auf dem Papier sehr reich machen: Die Schätzungen für den Börsenwert von Google lagen in den vergangenen Monaten zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar, seit der Veröffentlichung der Geschäftszahlen werden allerdings deutlich höhere Beträge genannt. (lid.)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2004, Nr. 102 / Seite 21
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