14.11.2006 · Vorstandschef Bender mahnt Erweiterung des Frankfurter Flughafens an
noa. FRANKFURT, 14. November. Der Flughafenbetreiber Fraport hat trotz der Wachstumsprobleme in Frankfurt seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr erhöht. Der Konzernüberschuß werde um mehr als 30 Prozent auf mehr als 200 Millionen Euro steigen, teilte Fraport mit. Entsprechend soll die Dividende voraussichtlich auf 1,20 Euro je Aktie von zuletzt 0,90 Euro angehoben werden.
Beim Umsatz rechnet Finanzvorstand Stefan Schulte für das Gesamtjahr unverändert mit zwei Prozent Wachstum auf gut 2,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Passagiere in Frankfurt werde um ein Prozent auf knapp 53 Millionen steigen. Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebitda) soll 6 bis 8 Prozent auf etwa 590 Millionen Euro zulegen. Allein die Steigerungsrate für das Passagierwachstum mußte die Gesellschaft nach neun Monaten von zwei auf ein Prozent reduzieren. Ursache hierfür sind die Kapazitätsengpässe am größten deutschen Flughafen in Frankfurt.
Der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bender wies noch einmal auf die dringend notwendige Erweiterung des Frankfurter Flughafens hin. Für den Bau der Landebahn im Nordwesten des Geländes wird der Planfeststellungsbeschluß Ende 2007 erwartet. Bis die neue Bahn 2009 oder 2010 Entlastung schafft, muß der Flughafen vielen Fluglinien den Wunsch nach weiteren Landerechten verweigern.
Um so wichtiger werden die Erträge aus Mieten, Pachten, Parken und Sicherheitsdienstleistungen sowie das externe Geschäft, das schon in den ersten neun Monaten Wachstumstreiber war. Im Zeitraum Juli bis September erhöhte sich der Konzernumsatz um knapp vier Prozent zum Vorjahr auf gut 582 Millionen Euro. Mit einem Ebitda von 198,5 Millionen Euro (9,5 Prozent) und einem Überschuß von 103 Millionen (64 Prozent) übertraf Fraport die Erwartungen von Analysten. Die Aktie gewann leicht auf 56 Euro.
Im kommenden Jahr werde Fraport ein verbessertes bereinigtes Ergebnis ausweisen, sagte Schulte. In diesem Jahr gab es Sondereffekte wie eine Zahlung aus Manila, eine Rückstellungsauflösung für die Bodendienste (Lufthansa-Vertrag) und den Verkauf einer Tochtergesellschaft. All diese Sondererträge summieren sich auf 26 Millionen Euro. Deswegen legt Fraport weiteres Augenmerk auf die nichtfluggebundenen Einnahmequellen wie Mieten und Pachten sowie auf die Neuausrichtung des Immobilienbesitzes, der künftig ein weiteres starkes Standbein des Konzerns werden soll.
Ein anderes Thema ist die Kostenreduzierung. Denn die Fluggesellschaften drängen auf niedrigere Entgelte trotz steigender Aufwendungen für die Sicherheitskontrollen. Um bei den Sicherheitskontrollen effektiver zu werden, soll in Frankfurt eine neue Gesellschaft gegründet werden, in der Bedienstete der Fraport AG und Mitarbeiter der mit geringeren Löhnen arbeitenden Sicherheitstochtergesellschaft ICTS angestellt werden. Hierzu liefen Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern, sagte Schulte. Er stellte eine Einigung für das erste Quartal 2007 in Aussicht.