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François Pinault Monsieur im Grassi

19.04.2006 ·  Die Entscheidung, sein Museum moderner Kunst am Canal Grande zu eröffnen, ist François Pinault nicht leichtgefallen. Eigentlich hatte der Milliardär vorgehabt, seinen ästhetischen Lebenstraum in der Seine als Neubau zu verwirklichen.

Von Dirk Schümer
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Die Entscheidung, sein Museum moderner Kunst am Canal Grande zu eröffnen, ist François Pinault nicht leichtgefallen. Am Geld hing die Wahl nie, davon hat der Besitzer so renommierter Marken wie „Yves Saint Laurent“, „Gucci“, „Christie's“ und von Kaufhausketten wie „Printemps“ und „Fnac“ wahrlich genug. Doch eigentlich hatte der bretonische Milliardär vorgehabt, seinen ästhetischen Lebenstraum auf der Ile Seguin in der Seine als Neubau zu verwirklichen.

Doch als die französischen Behörden ihm immer mehr Schwierigkeiten machten, bewies Pinault dieselbe schnelle Entschlußkraft wie bei seinen Geschäften: Er blies das patriotische Projekt kurzerhand ab und erstand für gut fünfundzwanzig Millionen Euro den wundervollen Palazzo Grassi in Venedig. Der stand nämlich zum Verkauf, nachdem die Fiat-Stiftung nach dem Tod des Mäzens Gianni Agnelli ihre Ausstellungen gestrichen und die prestigiöse Immobilie der Stadt Venedig zurückgegeben hatte.

Kunst als eine „Form von Ewigkeit“

François Pinault betont kurz vor der Weltpremiere von Teilen seiner legendären Sammlung sein kultiviertes Europäertum. Venedig gehöre der Welt, das sei der passende Ort für eine Kunst der Gegenwart und der Zukunft. Die Vergangenheit, so kokettiert der dynamische Handelsmagnat, stimme ihn nämlich eher mißgelaunt. Und weil er kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag keine kostbare Zeit mehr mit dem Museumsprojekt verschwenden wollte, machte er der italienischen Bürokratie und der venezianischen Bauwirtschaft Beine. In knapp fünf Monaten richtete der japanische Architekt Tadao Ando die prunkvollen Festräume neu her, um im barocken Gehäuse mit kühlem Minimalismus den passenden Rahmen für zweihundert Kunstwerke von Tapies, Rothko, Warhol, Twombly, Fontana, Catelan, Hirst und vielen anderen zu schaffen - gerade einmal ein Zehntel des Bestandes, den der unermüdliche Sammler in den letzten dreißig Jahren zusammengetragen hat.

Der joviale Mann, der gern in Freizeitkleidung Fahrrad fährt, begann seine Laufbahn als kleiner Holzhändler in der Gegend von Saint-Malo und macht heute als Präsident Chiracs Duzfreund weltweit Geschäfte. Von seiner Leidenschaft berichtet er der neugierigen Öffentlichkeit mit großer Offenherzigkeit. Als Selfmademan ohne Universitätsstudium kam er erst spät durch ein kleines spätimpressionistisches Gemälde von Paul Serusier zur Kunst. Durch Besuche bei Künstlern und Galeristen, in Museen sowie durch seine Modegeschäfte schulte Pinault seinen Geschmack und liebt heute besonders die Minimalisten - wegen ihrer mystischen Reinheit - und die Pop-Art, weil letztere die Massenkultur der Jetztzeit reflektiert. Der immer noch begeisterungsfähige Pinault preist große Kunst als eine „Form von Ewigkeit“. Mode sei dagegen auf Verführung aus. Und Verführung, obwohl er mit ihr Geld verdient, ist dem Rationalisten Pinault ein Greuel.

Quelle: F.A.Z., 20.04.2006, Nr. 92 / Seite 42
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Jahrgang 1962, Feuilletonkorrespondent mit Sitz in Wien.

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