27.09.2007 · Marcel Proust füllte den Fragebogen, der als Herausforderung an Geist und Witz ein beliebtes Spiel in den Pariser Salons und später dann in dieser Zeitung war, gleich zweimal aus. Wir setzen zum Art Forum in Berlin die Tradition mit Fragen an Sabrina van der Ley fort.
Marcel Proust füllte den Fragebogen, der als Herausforderung an Geist und Witz ein beliebtes Spiel in den Pariser Salons und später dann in dieser Zeitung war, gleich zweimal aus. Wir setzen zum Art Forum in Berlin die Tradition mit Fragen an Sabrina van der Ley fort.
Was ist für Sie das größte Unglück? Der Tod von Liebsten.
Wo möchten Sie leben? Am Meer.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Vernünftig handelnde Menschen.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Tippfehler.
Ihre liebsten Romanhelden? Jacques Austerlitz, Max Delius.Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? Jan Zamoyski, Varian Fry.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit? Mein Team.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung? Kassandra.
Ihr Lieblingsmaler? Piero della Francesca, Andrea Mantegna, Agnes Martin, Sol LeWitt, David Tremlett.
Ihr Lieblingskomponist? Goran Bregovic.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Energie, Souveränität, Vernunft, Humor und eine gute Figur.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Energie, Souveränität, Vernunft, Humor.
Ihre Lieblingstugend? Geduld.
Ihre Lieblingsbeschäftigung? Ausstellungen machen.
Wer oder was hätten Sie sein mögen? Rennfahrerin.
Ihr Hauptcharakterzug? Gradlinigkeit.
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? Großmut, Vertrauen, Geduld.
Ihr größter Fehler? Ungeduld.
Ihr Traum vom Glück? Ein Haus von Mies van der Rohe am Atlantik mit einer großen Kunst- und Büchersammlung.
Was wäre für Sie das größte Unglück? Der Tod von Liebsten.
Was möchten Sie sein? Vielsprachig.
Ihre Lieblingsfarbe? Weiß.
Ihre Lieblingsblume? Pfingstrose.
Ihr Lieblingsvogel? Schwan.
Ihr Lieblingsschriftsteller? W. G. Sebald, Amos Oz, Nadine Gordimer.
Ihr Lieblingslyriker? Ingeborg Bachmann.
Ihre Helden in der Wirklichkeit? Nelson Mandela, Michail Gorbatschow.
Ihre Heldinnen in der Geschichte? Hatschepsut.
Ihre Lieblingsnamen? Keine.
Was verabscheuen Sie am meisten? Dienst nach Vorschrift, Dummheit, Bigotterie, Intoleranz.
Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten? Die Nationalsozialisten.
Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? Das Räumen von Minenfeldern.
Welche Reform bewundern Sie am meisten? Allgemeines freies Wahlrecht.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Beamen.
Wie möchten Sie sterben? Gelassen..
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Vorfreude.
Ihr Motto? Neugierig bleiben.
Sie ist seit 2005 Trägerin eines Staatsordens. Sabrina van der Ley, Jahrgang 1967, hat das polnische Verdienstkreuz in Gold bekommen für ihre Bemühungen um die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland. Die gebürtige Kölnerin mit holländischem Vater und Pass hat in ihrer Heimatstadt Kunstgeschichte, Anglistik und Germanistik studiert. Das Thema ihrer Abschlussarbeit war die konzeptuelle Wandmalerei der Gegenwart. Höhlenzeichnungen oder Mosaike und Reliefs aller Zeiten begeistern sie, „weil man sie nicht entfernen kann“. Danach zog sie quer durch Europa und die Vereinigten Staaten, sammelte in Galerien ihre Erfahrung mit dem Kunstmarkt. Von 1994 bis 1997 war sie Geschäftsführerin der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln. Dann betreute sie bis 1999 als Kustodin die Berliner Privatsammlung Hoffmann, ehe sie zum Art Forum wechselte. Seit sieben Jahren ist sie nun verantwortlich für das Gesicht der Berliner Zeitgenossen-Messe, die unter ihrer Führung ständig an Bedeutung gewonnen hat. Immer wieder musste sich Sabrina van der Ley Untergangsprophezeiungen gefallen lassen. Heute kann sie ihren Kritikern rund 500 Bewerbungen für das Art Forum entgegenhalten; nur 130 Galerien bekamen auch in diesem Jahr eine Zusage. Sie möchte die Messe auch in Zukunft klein und fein halten.
Sabrina van der Ley ist nicht nur künstlerische Leiterin der inzwischen international wichtigen Messe, sondern auch leidenschaftliche Kuratorin. Das Tor zur polnischen Kunst öffnete sie für sich schon vor einigen Jahren. Herausragend war im vergangenen Jahr die Ausstellung „Ideal City - Invisible Cities“, die sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Kurator Markus Richter, inszenierte: Zunächst in Zamosc, einer kleinen Renaissance-Stadt in der polnischen Provinz, zeigten sie im öffentlichen Raum aktuelle Kunst aus beiden Ländern; danach ging die Schau nach Potsdam.
In einem Interview hat Sabrina van der Ley einmal den „Trotz“ beschrieben, der sie antreibe, „das Gefühl von ,Jetzt erst recht'“. Für das Art Forum lautet ihr oberstes Prinzip, dass jedes Jahr neue junge Galerien eine Chance erhalten müssen. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Szene auf der Messe lebendig zu halten. Ihre neue Heimatstadt Berlin ist für sie jedenfalls Sehnsuchtsort. Sie glaubt an die Stärke der Stadt, auch und vor allem in der Kunst. swka