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Zimmer mit Aussicht

09.08.2009 ·  Solche Schulen suchen ihresgleichen: Die Neubauten des Klosters Hegne am Bodensee

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Das Kloster Hegne am Bodensee rüstet sich für die Zukunft. Die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz ist überaltert, die Einnahmen gehen zurück - die gewaltigen Baulasten einer riesigen alten Klosteranlage können da schnell zum Problem werden. So galt es, sich weitblickend für die Zukunft zu rüsten. Deshalb bauten die Schwestern im Jahr 2005 neben dem Kloster das Tagungs- und Gästehaus St. Elisabeth, ein veritables Hotel mit fünfundsechzig Zimmern, das in Stil und Geschmack mit jedem anderen guten Hotel der Bodenseeregion mithalten kann. Noch gilt es als ein Geheimtipp.

Nun folgte der zweite Schritt in die Zukunft. Im Frühjahr wurde im Rahmen des Marianums, einem Zentrum für Bildung und Erziehung, ein Neubau eingeweiht. Träger dieser Privatschule ist ebenfalls das Kloster. Diese Bauaktivitäten der Schwestern von Hegne stehen in einer weit zurückreichenden Tradition. Der Bodenseeraum ist altes Klosterland; einen besseren Ort für eine neue Schule kann es wohl kaum geben. Vom Marianum aus hat man einen erhebenden Blick über den Gnadensee hinüber zur Weltkulturerbestätte, der ehemaligen Klosterinsel Reichenau. Hier lag im frühen Mittelalter eine der bedeutendsten Klosterschulen der Benediktiner des Frankenreiches.

Im Westflügel des Marianums sind unterschiedliche Berufsschulen untergebracht. Sie werden nun von einer Realschule ergänzt, für deren Bau ein ehemaliges Internatsgebäude abgerissen wurde. Der neue Baukörper, entworfen vom Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei, ist in Form und Proportion ein Echo der alten Klosterschule. An der Spiegelachse des symmetrischen Doppel aus Alt und Neu wird das Raumprogramm durch einen Glockenturm, eine Mensa, Veranstaltungsräume und verschiedene Höfe ergänzt.

Zwischen den beiden Hauptgebäuden ist das Foyer mit Pforte, direkt daneben die zentrale Schulverwaltung untergebracht. Von hier aus ist auch der Musiksaal erreichbar. Der Raum liegt zentral und kann auch für außerschulische Zwecke genutzt werden. Darunter liegt die Turnhalle mit einer Dachterrasse. Ein kleines Außentheater verbindet Sporthalle und Landschaft.

Trotz der Trennung von Real- und Berufsschulen in zwei Häusern können beide Bereiche über witterungsgeschützte Verbindungsgänge erreicht werden. Die in Ziegel gemauerten Übergänge wirken wie eine Art Belvedere hoch über dem See. Zur Straße hin wird die Anlage mit einer Mauer geschlossen. Die beiden neu entstandenen Höfe werden als "Zimmer im Freien" betrachtet. Es gibt eine ruhigere Zone mit dem linken Hof als Eingangsbereich, samt einem "Raum der Stille" und einem Lesehof. Lebhafter geht es auf dem rechten Hof zu, der der Mensa zugeordnet ist und als Ort der Geselligkeit fungiert; die Mensa selbst ist vom Schulgebäude abgekoppelt - ein Privileg, alles in allem, an einer derart gut gestalteten Schule und inmitten einer wunderschönen Landschaft lernen zu können, die anderen ein Ferienziel darstellt. TIMO JOHN

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