16.09.2008 · Der blonde Jungbulle mit den goldenen Hufen und Hörnern in seinem goldenen Kasten tat, was von ihm erwartet wurde. Nach einem Gefecht wurde Damien Hirsts "The Golden Calf" bei 9,2 Millionen Pfund an einen telefonischen Bieter zugeschlagen, ...
LONDON, 16. September
Der blonde Jungbulle mit den goldenen Hufen und Hörnern in seinem goldenen Kasten tat, was von ihm erwartet wurde. Nach einem Gefecht wurde Damien Hirsts "The Golden Calf" bei 9,2 Millionen Pfund an einen telefonischen Bieter zugeschlagen, den Cheyenne Westphal, Chefin der Abteilung für Gegenwartskunst bei Sotheby's, im Saal vertrat. Damit hat Hirst nicht nur seinen bisherigen Auktionsrekord eingestellt, sondern auch sein Exempel auf dem Kunstmarkt bravourös statuiert. Über den Käufer indessen ist noch nichts zu erfahren. Sotheby's schloss den Auftakt seiner Prestige-Versteigerung mit den ersten 56 von insgesamt 223 Werken mit einem phänomenalen Resultat ab; der englische Künstler hatte seine sämtlich brandneuen Arbeiten unter dem Titel "Beautiful Inside My Head Forever" selbst bei dem Auktionshaus eingeliefert (F.A.Z. vom 11. September).
Während der ersten Abendauktion konnten praktisch alle Lose verkauft werden. Der Umsatz von knapp 70,55 Millionen Pfund entspricht, wenn man das vom Käufer zu bezahlende Aufgeld abzieht, ziemlich genau der oberen Gesamttaxe von 62,37 Millionen Pfund. Die Auktionen am gestrigen Dienstag setzten diese Entwicklung fort. Hirsts einzigartiger Coup am Rande der Wirtschaftskrise ist aufgegangen und scheint mit der Geldwelt nicht mehr verbunden zu sein. Es gab fast durchweg Ergebnisse innerhalb, vielfach oberhalb der Taxen.
Zum zweitteuersten Los beider Auktionstage avancierte "The Kingdom", ein Remake von Hirsts legendärem ersten Hai im Formaldehydbad, der mindestens vier Millionen kosten sollte - und nach minutenlangem, zähem Ringen 8,5 Millionen Pfund tatsächlich brachte, die ein ungenannter, telefonischer Bieter investierte. Am Auktionspult stand Oliver Barker, der in diesem Hirst-Special von seiner Kanzel aus um jeden einzelnen Zuschlag beharrlich rang, dabei allerdings auch den Ernst bewies, der den reinen Show-Charakter, den manche erwartet hatten, gründlich widerlegte. Damien Hirst - der während der Auktion nicht anwesend war, allerdings am frühen Nachmittag fröhlich durch die Halle von Sotheby's schritt - meldete sich, nachdem er das Ergebnis des Abends gehört hatte, mit einem Grußwort: "I think the market is bigger than anyone knows." Für ihn jedenfalls gilt das. ROSE-MARIA GROPP