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Sand im Nabel der Welt

30.07.2008 ·  Jahrhundert-Modell Dubai: Wie aus Theatern, Bibliotheken, Museen und Galerien eine Kapitale wird

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Die Wüste boomt. Zum Beispiel Dubai am Persischen Golf. Das von 1,4 Millionen Menschen bewohnte Emirat, mit viertausend Quadratkilometern Fels, Sand und Strand kaum größer als Mallorca, aber mit dem "Burj al Arab" Standort des höchsten Hotels der Welt, will "Jahrhundert-Modell" werden. Pionier ist der "Burj Dubai", mit 818 Metern höchster Wolkenkratzer der Welt. Fast alle noch in Planung oder im Bau befindlichen Projekte streben Weltrekorden zu, die per saldo eine "neue Welt-Kapitale" ergeben. Passend zur Hauptausstellung über arabische Wohnkultur, präsentiert darum das Vitra Design Museum in Weil am Rhein das architektonische Make-up einer der modernsten Diktaturen der Welt: "Dubai Next: The Face of the 21st Century Culture".

Angeführt vom Fachmann für Bauen unter erschwerten Bedingungen, Rem Koolhaas, geben sich Zaha Hadid, die bauenden Superlativisten Skidmore, Owings & Merill und andere Stars globaler Eventbauten die Ehre. Als Zeremonienmeister fungiert Michael Schindhelm, Artdirector der "Dubai Culture and Arts Authority". In einem hollywoodreifen Beduinenzelt stellten er, der Scheich sowie Koolhaas & Kompanie in Weil das künftige Dubai vor: "Vision 2015, ein strategischer Plan, Wirtschaft und Gesellschaft in ein Gleichgewicht zu bringen". Er soll im Emirat nach der bislang dominierenden "Hardware - Gebäude, Straßen, Häfen" nun die "Software" befördern: gesetzliche Regularien, aber auch die Kultur. Erstere wohl fürs Ansehen, Letztere fürs Aufsehen.

Das wiederum wird eine siebenundzwanzig Kilometer breite Zone erregen: "Khor (Bucht) Dubai" genannt, soll sie, bekrönt von einem Opernhaus Zaha Hadids und einer Galerie zeitgenössischer Kunst samt Theater von Rem Koolhaas, "zehn thematisch orientierte Museen, neun Bibliotheken, vierzehn Theater, elf Kunstgalerien, sieben Kultur- und Kunstinstitute" bieten. Mit dem "Universalmuseum" schließlich möchte man die Louvre-Konkurrenz im nahen Abu Dhabi übertreffen: Kunst aus der Eremitage, dem Metropolitan Museum, dem Britischen Museum sowie den Staatlichen Museen Berlin, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen soll hier gezeigt werden. Freilich, so die Einschränkung, sei man eine muslimisch geprägte Kultur Arabiens und beginne deshalb mit einem dem Propheten Mohammed gewidmeten Museum: als Brücke zwischen Islam und "dem Rest der Welt, zwischen Ost und West".

In der Ausstellung gehen der "Vision 2015" Rückblicke voran: die Dokumentation der Entwicklung des noch in den sechziger Jahren beschaulichen Fischerhafens und Momentaufnahmen aus Dubai, die Soll und Haben einer transitorischen Gesellschaft dokumentieren. Dazu zählen auch Wunschwände mit Zettelbotschaften, auf denen Dienstleistungen geboten, Zimmer gesucht, poetische Ergüsse oder Enttäuschungen formuliert werden: "Alles dreht sich um Pässe und die Hautfarbe." Etwa fünfzehn Prozent der Bewohner sind eingeborene Emiratis, der Rest Immigranten, vor allem billige Arbeitskräfte aus asiatischen Ländern, meist Männer. Lediglich ein Viertel der Bevölkerung ist weiblich - dies mag den Anflug von Schlüssellochperspektive der Bild an Bild gefügten Installation erklären, wo unter erotelnden Frauenbildern der Regenbogenpresse "Bed Space, Available in Villa" annonciert wird, manchmal versehen mit dem Zusatz "For Muslims only".

Gleichfalls aus der Manufaktur Koolhaas, neben dem Recycling eines 2006 in Venedig ausgestellten kommentierten Stadtplans von Dubai City, stammt eine "Dubai Bubbles" betitelte Fotoserie. Koolhaas' Tochter Charlie präsentiert Dubai. Gelegentlich fällt der Blick in unausgeleuchtete Nischen des Fremden, insgesamt freilich wirkt das Vielvölkergemisch arrangiert zum multiethnischen Jahrmarkt; Pseudofolklore, drapiert über stahlharten Kapitalismus. WERNER JACOB

Dubai Next: The Face of the 21st Century Culture. Feuerwehrhaus auf dem Vitra Campus, Weil am Rhein. Bis 14. September. Besuch nur mit Führung.

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