17.09.2009 · Coverfoto von Chirac retuschiert
Gerade sollte der erste Band Jacques Chiracs Memoiren - es geht um die siebziger Jahre - ausgeliefert werden. Man muss noch ein paar Wochen auf das Buch warten, da der Umschlag Anstoß erregt hat. Das verwendete Bild zeigt Chirac, wie er lebt und rauchte. Erst später wurde er Nichtraucher. Jetzt gestaltet der Verlag das Cover neu. Auch Buchumschläge werden zur rauchfreien Zone wie Museen, Bibliotheken, die Cinémathèque. Und die Metro. In ihren Zügen und Stationen dürfen keine Filmplakate mit rauchenden Stars ausgehängt werden. Für ein Ausstellungsplakat wurde Jacques Tati die obligate Pfeife aus dem Mund genommen. Jean-Paul Sartre erlitt zum hundertsten Geburtstag das gleiche Schicksal. Alain Delon konnte sich mit dem Wegretuschieren einer Zigarette in der Werbung zumindest einverstanden erklären. Auch Coco Chanel muss in der Verfilmung ihres Lebens ihrem Laster heimlich frönen. Die Zeitgenossen sind so tugendhaft geworden, dass sie in ihrem rauchfreien Eifer ihre unmittelbare Vergangenheit zu vernebeln versucht sind. Die Rauchzeitzeichen aus Paris erinnern an die Fotos des Stalinismus, auf denen gefallene Köpfe wegretuschiert wurden. Gut findet das keiner, begründet wird es etwas vorschnell mit dem Gesetz, das die Werbung für Tabak verbietet. Bei Chirac haben seine Kommunikationsberater das Veto eingelegt. Das Bild das paffenden Haudegens passe nicht zum Image des Postpräsidenten als Pioniers der Krebsbekämpfung. Für die Memoiren war es kongenial. J.A.