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Oberbayern, expressiv Blauer Reiter: Penzberg will Campendonk-Nachlass

10.03.2010 ·  Die kleine Stadt Penzberg in Oberbayern will zur Anlaufstelle für das Werk Heinrich Campendonks werden. Möglich würde das durch den Ankauf des Nachlasses dieses Künstlers, um den sich Penzberg derzeit bemüht.

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Die kleine Stadt Penzberg in Oberbayern will zur Anlaufstelle für das Werk Heinrich Campendonks werden. Möglich würde das durch den Ankauf des Nachlasses dieses Künstlers, um den sich Penzberg derzeit bemüht. Nun ist Penzberg zwar nicht der Ort, der einem im Gedanken an den bedeutenden Expressionisten als Erstes einfällt. Doch sprechen gute Gründe für das Projekt.

Heinrich Campendonk wurde 1889 in Krefeld geboren und studierte dort bei Jan Thorn Prikker. August Macke wurde auf den jungen Kollegen aufmerksam und stellte den Kontakt zu Franz Marc her, der ihn nach Bayern in den Künstlerkreis um Kandinsky einlud. 1911 nahm der erst zweiundzwanzigjährige Campendonk als Jüngster an der ersten "Blaue Rei-

ter"-Ausstellung in München teil, ein Jahr später trat er der Gruppe bei. Bis er 1922 ins Rheinland zurückkehrte, lebte Campendonk in der Nähe von Franz Marc, in Sindelsdorf, später in Seeshaupt. Das nahe Penzberg faszinierte ihn wegen des Kohlebergbaus, von dem die Stadt damals lebte: Schlote, Zechen und Halden, die Armut der Grubenarbeiter und Vorstadtbauern stiften ihm wiederholt Bildmotive. Heute geht es der Stadt als Technologie- und Industriestandort unvergleichlich besser, doch verfügt sie, abgesehen von einem Bergwerksmuseum, kaum über historische Sehenswürdigkeiten und forscht vertieft nach kultureller Identität. Dabei stieß man auf Campendonk, den einzigen Maler von Weltrang, der je künstlerisches Interesse an dem Ort hatte und zum wichtigen Zeitzeugen seiner Geschichte wurde.

Heute schmücken zwei Glasfenster Campendonks die Stadtkirche, und eine Schule trägt seinen Namen. Vor allem aber stellte das Penzberger Stadtmuseum unter der Leitung von Gisela Geiger seit 2002 drei beachtliche Campendonk-Ausstellungen auf die Beine und tätigte erste Erwerbungen. Das Nachlass-Konvolut, über dessen Ankauf der Stadtrat am 16. März entscheiden wird, umfasst neunundachtzig Kunstwerke aus allen Werkphasen, des Weiteren Briefe und Dokumente. Aus der Zeit des "Blauen Reiters" enthält das Erbe ein Ölgemälde und knapp zwei Dutzend frühe Tuschezeichnungen. Auf der Grundlage fachkundiger Gutachten vereinbarte man mit dem Eigentümer einen Preis von 4,1 Millionen Euro. Knapp zwei Millionen Euro decken Zuschüsse der Bayerischen Landesstiftung, der Kulturstiftung der Länder und der Landesstelle nichtstaatlicher Museen sowie privater Förderer. Ein zinsloses Darlehen über eine Million ist bereits zugesagt, und was den Restbetrag von 1,3 Millionen betrifft, zeigt man sich in Penzberg optimistisch. Für die Finanzierung eines Museumsbaus, der als Mehrspartenhaus auch dem Bergwerkserbe zugutekommen soll, geht die Gemeinde bereits parallel auf Fördermittelsuche. Schon jetzt sagten Privatsammler und Museen Dauerleihgaben und Schenkungen weiterer Campendonk-Werke zu für den Fall, dass das Vorhaben zustande kommt.

Nicht nur um den Nachlass vor der drohenden Zerstreuung zu bewahren, erscheint das Projekt wünschenswert. Eine zentrale Anlaufstelle für Campendonk würde eine klaffende Lücke schließen, denn obwohl seine Bilder weltweit in großen Museen hängen, geriet der Avantgardist, der Deutschland, als "entartet" diffamiert, 1934 verließ und 1957 in Amsterdam starb, nahezu in Vergessenheit. Und noch etwas spricht für die geplante "Museumsperle im Oberland": Sie würde eine Kunstlandschaft ergänzen, die den deutschen Expressionismus auf das schönste konzentriert: Unweit von Penzberg pflegen das Franz-Marc-Museum in Kochel, das Gabriele-Münter-Haus und das Schlossmuseum in Murnau sowie das Buchheim Museum in Bernried das Erbe jener jungen Wilden. Bleibt zu hoffen, dass auch Campendonk demnächst hier eine Heimat findet. BRITA SACHS

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