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Medizin Übeltäter bei multipler Sklerose überführt

04.08.2008 ·  Fahndung nach krank machenden Proteinen im Gehirn mit ersten Erfolgen

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In den Krankheitsherden im Gehirn von Patienten mit multipler Sklerose haben Forscher der Stanford University durch eine systematische Proteomanalyse krankheitsspezifische Proteine identifiziert. Das könnte helfen, die Behandlung dieses Nervenleidens zu verbessern. Bei der multiplen Sklerose zerstören immunologische Abwehrzellen die als Myelin bezeichneten Isolierhüllen von Nervenzellen. Dieser Verlust kann unter anderem zu Sehstörungen, eingeschränkter Gehfähigkeit, Depression und Demenz führen. In der weißen Substanz des erkrankten Gehirns lassen sich verschiedene Formen krankhafter Veränderungen ausmachen, vor allem sogenannte akute und chronische Plaques.

Die kalifornischen Forscher um Lawrence Steinman haben mit einem Laserverfahren aus dem Gehirn verstorbener Patienten Gewebeproben unterschiedlicher Art gewonnen und mit der Massenspektrometrie sämtliche darin enthaltenen Proteine ermittelt. Insgesamt mehr als zweitausend Proteine kamen nur in den Plaques, nicht aber im benachbarten gesunden Hirngewebe der Patienten vor. Ein Teil der Proteine war speziell für die akuten, durch Entzündungsreaktionen gekennzeichneten Plaques charakteristisch, andere waren ausschließlich in den chronischen Plaques zu finden. Einigen Proteinen konnten die Wissenschaftler durch Computeranalysen bekannte Funktionen zuweisen. Zu diesen zählten etwa Oberflächenrezeptoren, Ionenkanäle und Adhäsionsmoleküle für den Kontakt zwischen den Zellen. Den meisten in den Plaques identifizierten Proteinen ließ sich jedoch keine physiologische Rolle zuordnen. Es fiel den Forschern aber auf, dass fünf Proteine bekannte Mitspieler der Blutgerinnung waren. Dazu gehörten der Gewebefaktor (tissue factor), der Protein-C-Inhibitor, Thrombospondin, Fibronectin und Vitronectin.

Beim Gewebefaktor handelt es sich um einen Gerinnungsstoff, der bei Entzündungsreaktionen gebildet wird und über das Protein Thrombin die Blutgerinnung fördert. Der Protein-C-Inhibitor hemmt aktiviertes Protein C und fördert dadurch Entzündungsreaktionen sowie ebenfalls die Blutgerinnung. Die amerikanischen Wissenschaftler haben diese beiden Proteine im Tierversuch zu hemmen versucht. Mit Hirudin, einem gerinnungshemmenden Gegenspieler von Thrombin, ließen sich bei Mäusen, die an einer der multiplen Sklerose des Menschen ähnlichen autoimmunologischen Erkrankung litten, verschiedene Immunreaktionen eindämmen und die Krankheitszeichen drastisch verringern. Es gelang jedoch nicht, mit Hirudin auch den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Auch mit gentechnisch gewonnenem aktiviertem Protein C ließen sich verschiedene überschießende Immunreaktionen dämpfen und die Symptome der kranken Mäuse lindern.

Die Ergebnisse der Proteomanalyse ermutigen die Forscher, auf diesem Wege nach weiteren für die Krankheit bedeutsamen Strukturen im Gehirn von Patienten mit multipler Sklerose zu suchen. Vor einiger Zeit hatte dieselbe Arbeitsgruppe bei Mäusen schon eine andere Zielstruktur, ein als Integrin bezeichnetes Kontaktmolekül, mit einem Antikörper (Natalizumab) blockiert und dadurch entzündungsfördernden Zellen den Zugang zu Nervenzellen erschwert. BARBARA HOBOM

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