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Leserbrief Warum Berlin ein Magnet für Künstler ist

17.02.2009 ·  Zu den Berichten über den geplanten Umzug des Suhrkamp-Verlags von Frankfurt am Main nach Berlin: Nun also das Verlagswesen: Nachdem Berlin jeder deutschen Stadt den Rang als Metropole für bildende Künste abgelaufen hat, mit drei ...

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Zu den Berichten über den geplanten Umzug des Suhrkamp-Verlags von Frankfurt am Main nach Berlin: Nun also das Verlagswesen: Nachdem Berlin jeder deutschen Stadt den Rang als Metropole für bildende Künste abgelaufen hat, mit drei Opernhäusern im Musiktheaterbereich infrastrukturell konkurrenzlos ist und auch im Film international mitspielen kann, ist mit der Ansiedlung des Suhrkamp Verlages ein wichtiger Schritt in Richtung "Literaturhauptstadt" gesetzt. Sinnvoller als ein Lamento über diese Entwicklung ist es wohl, zu fragen, was die großen Städte vom Aufstieg Berlins zum kulturellen Mittelpunkt lernen können. Ulla Unseld-Berkéwicz deutet an, welche Lehren zu ziehen sind.

Erstens, Künstler ziehen dorthin, wo sie die besten Lebens- und Arbeitsbedingungen finden. Diese alte Weisheit betrifft Wohnraum, Lebenshaltungskosten, allgemeine Würdigung von Kunst und Kultur in einer Stadt; die Existenz von Multiplikatoren, aber auch das Image einer Stadt. Weil Künstler häufig Nomaden sind, ist entscheidend, wie frei sie an einem bestimmten Ort sein können - materiell, geistig und damit künstlerisch. Zweitens, heute ziehen Kulturunternehmen wie Verlage und etwa Galerien den Künstlern nach; früher war es umgekehrt. Die Entscheidung des Suhrkamp-Verlags, den Sitz dorthin zu verlegen, "wo viel ist und wo viele sind", wie es Frau Unseld-Berkéwicz ausdrückt, ist konsequent.

Und was folgt aus alledem für jene Städte, die Kreative und Kreativunternehmen an die Hauptstadt verlieren? "Lokalpatriotismus" wird in der Tat nicht ausreichen, will man diese Entwicklung - mit allen negativen Folgen für das geistige und wirtschaftliche Klima einer Stadt - verhindern. Notwendig ist es, Künstlerinnen und Künstler mehr denn je in den Mittelpunkt der kommunalen Kulturförderung zu stellen. Eine Stadt, die heute attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen bietet (vom Stipendium bis zur Residenz), gewinnt nicht nur unmittelbar geistiges Niveau, bereichert die Bürger und wirkt attraktiv auf Besucher von außerhalb. Sie schafft vor allem jene Voraussetzungen, um als Standort für Kulturunternehmen langfristig wieder attraktiv zu werden.

Mit Berlins historischer Entwicklung nach 1989 wurde die Stadt zu einem Magneten für Künstler aus aller Welt. Andernorts wird man die für das geistige Klima der Städte erforderliche Wende in der Stadtpolitik planen müssen und zwar im Sinne einer langfristig angelegten, strategisch ausgerichteten Förderung von interessanten Einzelkünstlern. Die Rendite dürfte relativ sicher sein. Siehe Suhrkamp, siehe Berlin.

Dr. Konrad Schmidt-Werthern, Wertheim

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