15.12.2009 · Muss Wien Vermeer zurückgeben?
Jan Vermeers Gemälde mit dem eingebürgerten Titel "Die Malkunst", das zu den Prunkstücken des Wiener Kunsthistorischen Museums zählt, ist Gegenstand eines Verfahrens zur Rückgabe an den früheren Eigner. Die Nachkommen und Erben der einstigen Besitzerfamilie Czernin haben eine Überprüfung der Besitzverhältnisse erbeten, weil sie über ihren Anwalt die Veräußerung an Adolf Hitler im Jahr 1940 für damals 1,65 Millionen Reichsmark als Notverkauf betrachten. In mehreren Verfahren nach dem Zweiten Weltkrieg, zuletzt vor dem Österreichischen Verwaltungsgerichtshof im Jahr 1960, war der Handel jedoch als einvernehmlich und rechtmäßig, der Preis als angemessen betrachtet worden; dem einstigen Besitzer Jaromir Czernin wurde das Bild nicht zurückerstattet.
Nun ist unter Leitung von Susanne Hehenberger und Monika Löscher
die "Kommission für Provenienzforschung" am Zug. Die "Malkunst" war von Hitler fürs geplante "Führermuseum" in Linz angekauft worden, wurde mehrere Kriegsjahre in einem Salzstock in Altaussee ausgelagert und danach - als vormaliger Privatbesitz Hitlers - bereits im November 1945 dem österreichischen Staat zuerkannt und vom Münchner "Central Collecting Point" nach Wien abgegeben.
Im Kunsthistorischen Museum macht man aus der Not eine Tugend: Das umkämpfte Bild wird von Ende Januar an zum Gegenstand einer monographischen Ausstellung. Wie viel Zeit die Recherchen zur "Malkunst" beanspruchen werden, könne "derzeit nicht beantwortet werden". dsch